Gesundheit : Eine lange Geschichte der Zeit

Wallanlagen und Steinkreise begründeten die Kalenderrechnung und Astronomie in Europa

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Die geheimnisvolle Himmelsscheibe und die kreisförmige Wallanlage in Nebra in Sachsen-Anhalt führen zu den Anfängen der Astronomie in Europa zurück. Experten wie Wolfhard Schlosser von der Ruhr-Universität Bochum sind sich sicher, dass der Ort – ähnlich wie die bis zu 5000 Jahre alten Steinmonumente von Stonehenge – der Zeitbestimmung diente.

Schon für die Steinzeitmenschen hatte die Kalenderrechnung eine praktische Bedeutung. In den Bauern- und späteren Stadtkulturen ging es darum, die für Aussaat und Ernte günstigen Zeitpunkte festzuhalten oder die während des Jahres wechselnden Witterungen vorherzusagen.

Der Lauf der Sonne und des Mondes erlaubten am ehesten eine solche Zeitorientierung. Denn Himmelserscheinungen wie die Sommer- und Wintersonnenwende kehren regelmäßig wieder.

Um den Lauf der Gestirne zuverlässig beobachten zu können, benötigten die Steinzeitmenschen Markierungspunkte. Natürliche oder künstlich aufgeschüttete Hügel, große Steine, Holzpflöcke und Bauwerke eigneten sich dazu, die Sichtlinien zum Himmel und zum Horizont festzulegen.

Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Steinkreis von Stonehenge in der Nähe von Salisbury im Südwesten Englands. Das Monument wurde zwischen 3000 und 1000 v. Chr. in mehreren Bauphasen errichtet.

Schon der älteste kreisförmige Wall hatte eine 13 Meter breite Öffnung. Durch sie konnte man von der Mitte des Kreises aus den Sonnenaufgang am längsten Tag des Jahres verfolgen. Diese Sichtlinie wurde durch zwei außerhalb des Kreises aufgestellte Steine präzisiert. Etwa 900 Jahre später entstand in dieser Richtung eine Prozessionsstraße mit noch genaueren Markierungspunkten. Und noch einmal 100 Jahre später komplettierten große Sandsteinblöcke mit darübergelegten Decksteinen den inneren Kreis.

Es ist umstritten, ob Stonehenge ein Observatorium war, von dem aus die Steinzeitmenschen auch weitergehende astronomische Beobachtungen machen, etwa Mondfinsternisse zuverlässig vorausberechnen konnten. Ähnliche Spekulationen gibt es nun auch über die vor 3600 Jahren entstandene Wallanlage in Nebra. tdp

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