Gesundheit : Eine Lobby für die Uni

Wie sich Berliner Hochschulen besser vermarkten wollen

Nadja Bleiber

Sie haben etwas zu bieten, die Berliner Universitäten: ihr Wissen. Während die Studenten gegen die Finanzkürzungen des Senats auf die Straße gehen, versuchen die Berliner Unis, ihr Image zu verbessern und ihr Wissenskapital effektiver zu vermarkten.

So bietet die Servicegesellschaft der TU ab Herbst mit dem PR Kolleg Berlin einen weiterbildenen Studiengang in „Wissenschaftskommunikation“ an: aus Wissenschaftlern sollen PR-Fachleute werden. „Die meisten Wissenschaftler haben Schwierigkeiten, in der Sprache der Öffentlichkeit zu sprechen, die Dinge auf den Punkt zu bringen“, betonte Hans-Olaf Henkel, Präsident der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, bei der Präsentation des neuen Studiengangs. Berufsbegleitend in Abend- und Fernstudiengängen können die Wissenschaftler nun lernen, der Öffentlichkeit den Nutzen ihrer Arbeit anschaulicher zu präsentieren und sie potenziellen Partnern in Politik und Wirtschaft näher zu bringen.

Durch die Zusatzausbildung sollen die wissenschaftlichen Kommunikationsprofis die Interessen der Universitäten künftig besser nach außen vertreten können. „Die Autofahrer haben den ADAC, die Industrie den BDI, nur die Wissenschaft hat keine kräftige Lobby“, so Henkel.

Morgens im Bett bleiben

Neben verstärkter Öffentlichkeitsarbeit bemühen sich die Universitäten auch um eine bessere Vermarktung ihres Wissenskapitals. Die Multimedia Hochschulservice Berlin GmbH (MHSG), eine bundesweit einmalige Kooperation von neun Berliner Universitäten und Fachhochschulen, bietet jetzt das an, was es bisher nur von wissenschaftlichen Fachverlagen zu kaufen gab: Uni-Wissen kompakt auf CD-Roms, multimedial aufbereitet.

„Studenten, die morgens lieber im Bett bleiben und so die erste Vorlesung verpassen, können das Versäumte jetzt interaktiv am Computer nachholen“, sagt Christoph Heubeck, Geologie-Professor an der FU. Zumindest wenn sie Geologie, Agrarwirtschaft, Technik oder Physik studieren. Für diese Fächer werden die Lehrgänge auf CD bisher angeboten. Weitere, wie „Recht im Internet“ und „Multimediatechnik“, sollen im nächsten Monat folgen. Uni modern.

Experimente auf CD-Rom

Die CDs enthalten neben interaktiven Menüs anschauliche Experimente, Links zu internationalen Websites und umfangreiche Bücherlisten zum Weiterlesen. Die Inhalte wurden von den Professoren und Mitarbeitern der jeweiligen Institute selbst zusammengestellt.

Harald von Witzke, Agrarwirtschaftsprofessor an der HU, geht mit seiner Anwendung der Kurse noch weiter: „Mit ihnen kann die reine Informationsaufnahme von der Uni nach Hause verlagert und die Zeit mit den Studenten im Hörsaal kommunikativer gestaltet werden“, sagt er.

Um schon zukünftige Forscher für sich zu gewinnen, will die MHSG mit ihren CDs auch Abiturienten ansprechen, die vor der Berufswahl stehen und sich gezielt über Studieninhalte informieren wollen.

Weitere Informationen im Internet unter www.wtb.tu-berlin.de und www.mhsg.de .

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