Gesundheit : Eine nützliche Illusion

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Es war vor allem ein Experiment des kalifornischen Neuropsychologen Benjamin Libet, das in den 70er Jahren die Fachwelt aufschreckte: Libet konnte zeigen, dass 350 Millisekunden vor der bewussten Entscheidung einer Versuchsperson, ihre Hand zu bewegen, in ihrem Gehirn das Bereitschaftspotenzial dazu schon messbar ist.

„Wir tun nicht, was wir wollen, wir wollen, was wir tun", folgert der Psychologe Wolfgang Prinz vom MaxPlanck-Institut für Psychologische Forschung, Abteilung Kognition und Handlung. „Der freie Wille ist eine nützliche Illusion", sagt Gerhard Roth, Direktor des Institutes für Hirnforschung an der Universität Bremen.

Und Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main, äußert in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Die Annahme zum Beispiel, wir seien voll verantwortlich für das, was wir tun, weil wir es ja auch anders hätten machen können, ist aus neurobiologischer Perspektive nicht haltbar. Neuronale Prozesse sind deterministisch.“

Daraus folgert Singer: „Vor allem über unser Strafsystem werden wir nachdenken müssen. Wer immer sich heute über Schuldfähigkeit Gedanken macht, ist gut beraten, die Ergebnisse der Hirnforschung ernst zu nehmen.“

Er stellt jedoch auch klar, dass es auch ihm selbst nicht möglich ist, solche Erkenntnisse im Alltag anzuwenden: „Und dennoch gehe ich nach Hause und mache meine Kinder dafür verantwortlich, wenn sie irgendwelchen Blödsinn angestellt haben.“ aml

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