Gesundheit : Eine Präsidentin für Potsdam

Sabine Kunst führt größte brandenburgische Uni

Jan Kixmüller

Die Universität Potsdam wird künftig von einer Ingenieurin geführt. Sabine Kunst, bisher Vizepräsidentin für Lehre an der Uni Hannover, wurde gestern mit überragender Mehrheit gewählt: Gleich im ersten Wahlgang votierten alle elf stimmberechtigten Senatoren der Universität Potsdam für Kunst. Ihr Gegenkandidat, der Potsdamer Mineraloge Roland Oberhänsli, erhielt keine einzige Stimme. Kunst wird das Amt am 1. Januar 2007 von ihrem Vorgänger Wolfgang Loschelder übernehmen.

Mit der 51-Jährigen Kunst bekommt die größte der drei brandenburgischen Universitäten eine vielseitige Wissenschaftlerin zur Präsidentin. Nach einer Doktorarbeit zur Industriewasserreinigung hatte die studierte Biologin und Chemikerin eine zweite, philosophische Doktorarbeit zu „Interdisziplinarität und Partikularismus“ nachgeschoben, bevor sie nach zahlreichen wissenschaftlichen Tätigkeiten – unter anderem in Südafrika und Bolivien – 1991 in Hannover Professorin am Fachbereich Bauingenieur- und Vermessungswesen wurde. Interdisziplinarität, Internationalisierung, Weiterbildung und Lehre sind Facetten, die in ihren Tätigkeiten immer wieder auftauchen.

Eines der dringenden Probleme, das Kunst als Erstes wird anpacken müssen, ist die immer größer werdende Zahl der Studierenden in Potsdam: Die Uni ist inzwischen an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangt. Bei ihrer Vorstellung hatte Kunst vor kurzem versprochen, diesbezüglich Verhandlungen mit dem Ministerium zu führen, um die Studentenzahl halten zu können. Ihr Kontrahent Oberhänsli hingegen hatte das entgegengesetzte Ziel: Er wollte die Studierendenzahlen drastisch senken, um mehr Qualität in Forschung und Lehre zu sichern. Das hatte offensichtlich bei vielen Professoren eher Sorgen als Zustimmung hervorgerufen.

Kunst unterschied von ihrem Konkurrenten auch, dass sie sich klarer zum Präsidentenamt bekannte. Sie wolle die Forschungsarbeit zugunsten eines Hochschulmanagements ruhen lassen, hatte sie angekündigt. Das klang bei Oberhänsli, der von geologischen Exkursionen berichtete, nicht so überzeugend. Am Wahltag war er in China, während die Kandidatin nach Potsdam gekommen war.

Nach ihrer Wahl sprach Kunst von der Potsdamer Uni als einem gut aufgestellten Schiff, dass man nur noch besser in den Wind bringen müsse. So viel Optimismus hat an der Potsdamer Uni schon lange niemand mehr ausgestrahlt. Kunst kündigte an, nicht allein auf die Forschung zu setzen, sondern einer mit Wissenschaft verknüpften Lehre die Priorität zu geben. Sie stehe für eine Hochschule, die ihre Studierenden ernst nimmt. „Die Universität ist eine Einrichtung für Studierende“, sagte sie. Zentral sei in den kommenden Jahren die Umstellung des Studienangebots auf Bachelor- und Masterstudiengänge.

Gerüchte in den Gängen, wonach das Wissenschaftsministerium und das derzeitige Rektorat den Potsdamer Kandidaten lieber gesehen hätten, verstummten mit dem Wahlergebnis schlagartig. Sie sei sofort von der Potsdamer Uni begeistert gewesen, sagte Sabine Kunst. Sie sehe ein großes Potenzial. Danach verschwand sie zu einem Empfang zu ihren Ehren. Wo sie mit brandendem Applaus empfangen wurde.

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