Gesundheit : Eine Stadt – drei Volluniversitäten?

Berlins Wissenschaftssenator a.d.

TURNERS THESEN

zu Bildung und Politik

Die den Berliner Universitäten auferlegten Sparmaßnahmen sind verbunden mit der Forderung, „Strukturüberlegungen“ anzustellen. Gemeint ist damit, dass nicht nach dem Rasenmäherprinzip vorgegangen werden sollte, indem alle Bereiche mit einem bestimmten Prozentsatz belastet werden. Vielmehr sollen Schwerpunkte gebildet, besonders zukunftsträchtige Bereiche gefördert, andere, die womöglich qualitativ nicht mithalten können, gegebenenfalls geopfert werden. Dabei wird dann immer wieder die Frage diskutiert, welche Bereiche vorhanden sein müssten, damit eine Universität als so genannte Volluniversität bezeichnet werden kann.

Festzuhalten ist, dass es wohl keine deutsche Universität gibt, die sämtliche Fächer vereinigt. Die klassischen Universitäten mit ihrem breiten Fächerspektrum und der Medizin verfügen nicht über die technischen Disziplinen; die Technischen Universitäten sind zwar im Bereich der Geisteswissenschaften ausgebaut worden, allerdings nicht in der ganzen Breite. Die Frage konzentriert sich deshalb regelmäßig darauf, ob auf bestimmte Philologien, auf „Orchideenfächer“ oder Angebote verzichtet werden soll, die an einer benachbarten Universität ebenfalls vertreten sind.

Berlin ist, bei allen Schwierigkeiten, die durch die Sparvorgaben ausgelöst wurden, immer noch in einer relativ guten Lage. Allerdings sollte man sich jetzt dazu bequemen, Berlin als Ganzes zu sehen. Die Entwicklung der Universitäten, ihr Ausbau und die Einrichtung von Fächern ist nicht frei von Zufälligkeiten – und nicht immer nur von Sachargumenten getragen gewesen. So verwundert es schon, dass die Agrarwissenschaften an der Humboldt Universität, die Tiermedizin an der Freien Universität und die der Landwirtschaft nahe stehende Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universität angesiedelt sind.

Sollte hier jede Universität etwas von dem haben, was an anderer Stelle sinnvoller weise unter einem Dach vereinigt ist? Die Liste ließe sich verlängern. Sinnvoll wäre es also, Zusammengehörendes zueinander zu fügen. Der Verzicht auf bestimmte Fächergruppen müsste verkraftbar sein, wenn sie an anderer Stelle konzentriert sind. Der Einwand, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sei dann gefährdet, wird niemanden überzeugen, der weiß, dass diese nicht durch die Zugehörigkeit zu derselben Einrichtung garantiert, aber auch nicht durch Ansiedlung an verschiedenen Universitäten verhindert wird.

Es gibt deshalb kein ernsthaftes Argument dagegen, Fächer und Studiengänge so zu sortieren und zu organisieren, als habe Berlin nur ein Universitätssystem mit verschiedenen Standorten. Dann fiele es leichter, das eine oder andere aufzugeben und durch Konzentration Vorhandenes zu stärken. Wenn man dann noch Potsdam einbeziehen könnte, wäre die Region eigentlich zu beneiden.

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