Gesundheit : „Eine Überlebensfrage“

Die FDP will mehr Leistung und Wettbewerb im deutschen Bildungssystem

Tina Rohowski

„Wir müssen uns in Deutschland wieder trauen, eine Elite zu wollen“, sagte Guido Westerwelle, Bundesvorsitzender der FDP, am Montag bei einem Kongress an der Technischen Universität Berlin. Seine Partei hatte Politiker und Wissenschaftsmanager zu Diskussionen über „Exzellenz in Forschung und Lehre“ eingeladen. Der Leistungs- und Wettbewerbsgedanke finde sich bislang zu wenig im deutschen Bildungssystem wieder, sagte Westerwelle. Ebenso sei die stärkere Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen „eine Überlebensfrage“ für die deutsche Wirtschaft: „Billiger als China werden wir nicht sein können. Also müssen wir besser sein.“

Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von einem „Mentalitätswechsel“ in der Wissenschaftspolitik: „Elitenbildung gehört zu einem leistungsfähigen Bildungssystem.“ Mit der Exzellenzinitiative habe man diesen Prozess erfolgreich initiiert. Schavan zeigte sich „überzeugt, dass wir die Exzellenzinitiative verstetigen müssen“. Diese sei ein modernes Instrument zur Steuerung des Wissenschaftssystems.

Zudem soll sich das Bildungswesen weiter ausdifferenzieren – von Kitas über Schulen und Hochschulen. Dazu würde die Förderung einzelner Elite-Unis entscheidend beitragen. Zugleich bedauerte Schavan, dass bis jetzt keine Hochschule im Exzellenzwettbewerb ein Zukunftskonzept zum Lehramtsstudium vorgelegt habe: „Eine Universität, die sich auf die Lehrerausbildung konzentriert – das wäre mal eine richtige Innovation“, sagte Schavan. Cornelia Pieper, Forschungsexpertin der FDP, forderte einen Exzellenzwettbewerb eigens für die Fachhochschulen. Sie entwickelten ebenfalls Innovationen, von denen Unternehmen profitieren.

Der deutschen Wissenschaft fehle es an Internationalität, kritisierte Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Zudem gelinge es den deutschen Unis zu selten, herausragende Wissenschaftler aus dem Ausland anzuziehen. Bislang verhalte man sich zu passiv: „Wir handeln wie ein junger Arzt, der eine Praxis aufmacht und wartet, bis vor seiner Haustür jemand überfahren wird.“ Deutschland müsse Spitzenforscher stärker umwerben. Überdies seien zu wenige Führungspositionen mit Frauen besetzt. Winnacker forderte, Quoten festzusetzen für den Anteil von Ausländern und Frauen an Hochschulen oder Forschungsinstituten. Diese Ziele soll ab 2007 auch der neu gegründete Europäische Forschungsrat verfolgen. Erster Generalsekretär wird Ernst-Ludwig Winnacker, der sein Amt als DFG-Präsident zum Jahresende abgibt.

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