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Schlagworte und Pessimismus: eine Debatte über Hochschulautonomie

Uwe Schlicht

Den „Wettbewerb der politischen Ideen in Deutschland“ will das Council on Public Policy fördern, zu dessen Kuratoren Otto Graf Lambsdorff, Roman Herzog, Friedrich Merz oder Daniel R. Coats gehören. Beim Gespräch über „Autonomie und Wettbewerb“ an deutschen Hochschulen am Mittwoch in Berlin bestand dieser Wettbewerb der Ideen aus einem Gemisch, in dem konservativer Kulturpessimismus und einfache Schlagworte dominierten.

Bizarr wurde es, als der Vertreter des Bundesverbands Deutscher Banken, Wilhelm Bürklin, erklärte, die Universitäten in Deutschland müssten erst besser werden, bevor private Unternehmen ihnen mehr Geld geben könnten. Dem Vorschlag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, die Wirtschaft solle einen Teil der Studienkosten in wirtschaftsnahen Fächern übernehmen, erteilte Bürklin eine Absage: Das sei volkswirtschaftlich, nicht aber betriebswirtschaftlich rational. Unternehmen müssten sich vor ihren Anteilseignern rechtfertigen. Sie seien dazu da, Gewinne zu erwirtschaften. Ihre Steuern seien ihr Beitrag zur Ausbildungsförderung.

Der Wirtschaftswissenschaftler Charles Blankart von der Humboldt-Universität provozierte mit der Aussage, seine Uni, die sich gerade um den Elitestatus bewirbt, sei keine Weltklasse-Universität.

Der Hamburger Verfassungsrechtler Hans Peter Bull behauptete, die neue Besoldung der Wissenschaftler beruhe auf fragwürdigen Kennzahlen, die Umstellung auf Bachelor und Master in den Studiengängen werde ohne Rücksicht auf die fachlichen Anforderungen durchgezogen, neue Gremien wie Hochschulräte, mit auswärtigen Persönlichkeiten wie Managern aus der Wirtschaft und prominenten Wissenschaftlern besetzt, drohten gegenüber den gewählten Kollegialorganen der Hochschulen „durchzuregieren“.

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Michael Burda von der Humboldt-Universität forderte einen Rückzug des Staates aus der aktiven Hochschulpolitik. In jedem Land sollte die Hälfte der staatlichen Universitäten in Stiftungsuniversitäten umgewandelt werden. Aber der Staat müsse einen Pauschalzuschuss für die öffentlichen Universitäten garantieren. Im Gegensatz zu Bull hält Burda sehr viel von Hochschulräten, wenn sie mit solchem Einfluss ausgestattet werden wie die amerikanischen Boards of Regence. Diese können jederzeit die mächtigen Universitätspräsidenten in die Wüste schicken.

Aber dann gab es doch noch besonnenere Töne: Natürlich werde der Staat, solange er das meiste Geld für die Hochschulen gebe, mitreden müssen. Er trage vor dem Parlament und dem Steuerzahler schließlich die Verantwortung, so Bull in der anschließenden Diskussion. Und die Anregung von Blankart, die aus privaten Quellen eingenommenen Gelder neu zu verteilen, indem das Geld den Studenten folgt, hat Ähnlichkeiten mit einem Modell, das der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD) propagiert. Blankart schlug vor, den Studenten Gutscheine zu geben, die sie an der Universität einlösen sollten, an der sie studieren.

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