Gesundheit : Einmischung erlaubt?

Streit um die Aufgabe des Professors an der FU Berlin / Hochschulspitze rügt Grottian wegen seines Engagements in der Banken-Initiative – der Wissenschaftler antwortet

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An der Freien Universität Berlin (FU) ist ein Streit um die Aufgaben des Hochschullehrers entbrannt. Dürfen Professoren sich erkennbar als Angehörige ihrer Universität öffentlich in Konflikte einmischen, gehört das zu ihren Aufgaben oder ist dies auf ihre privaten Zusammenhänge begrenzt?

Anlass ist die Initiative gegen den Berliner Bankenskandal, die auch von mehreren FU-Professoren unterstützt wird, so auch von den Politikwissenschaftlern Elmar Altvater, Bodo Zeuner, Wolf-Dieter Narr und Peter Grottian. Sie wollen die Anleger in speziellen Fonds der Bankgesellschaft zur Rückgabe ihrer Anteile bewegen, um damit verbundene Belastungen der öffentlichen Hand zu begrenzen. Dazu wurden auch die n der Anteilszeichner veröffentlicht.

Grottian wies jetzt die Abmahnung dieser Aktivitäten durch FU-Präsident Peter Gaehtgens in einem Offenen Brief zurück. „Ich werde ... mein sozialwissenschaftliches Engagement in Forschung und Praxis zur Lösung des Berliner Bankenskandals als eine meiner wissenschaftlichen Dienstaufgaben fortsetzen“, schrieb der Wissenschaftler mit Hinweis auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit der Wissenschaft verbürgt. „Beschweigende Ruhe“ sei nicht erste Professorenpflicht. Dem FU-Präsidenten warf er „vorauseilende Furchtsamkeit“ vor den nächsten Etatverhandlungen vor. Grottians Begründung dokumentieren wir nachfolgend auf dieser Seite.

Die besten Köpfe für Berlin

Was war geschehen? FU-Präsident Gaehtgens hatte Grottian per Brief der Untreue verdächtigt. So nenne der Professor die Freie Universität als Dienstanschrift und habe möglicherweise Briefumschläge und Porto zweckentfremdet. „Zur Prüfung des Sachverhalts, insbesondere für dessen dienst- und strafrechtliche Würdigung gebe ich Ihnen ... Gelegenheit zur Stellungnahme“, mahnte Gaehtgens. Alle Aktivitäten für die Initiative seien ausschließlich „private Angelegenheit“ und keinesfalls „Dienstaufgaben“. Dabei verweist der FU-Präsident auf „Schreiben von Betroffenen“, die ihn mit Beschwerden erreicht hätten. Andere FU-Professoren, die den Aufruf unterschrieben hatten, haben anscheinend bisher keinen solchen Brief erhalten. Der Auseinandersetzung haftet ein Hauch von 70er Jahren an.

Auch Grottians Antwort fehlt nicht ein gewisser Biss. „Wären Sie ein hochschulpolitisch und politisch nachdenklicher Präsident, dann wäre Ihnen vielleicht schon längst eingefallen, zusammen mit der Berliner Rektorenkonferenz, die besten Köpfe aus den Hochschulen zusammenzurufen, um zukunftsweisende Lösungen für die dramatische Gesamtsituation Berlins entwerfen zu lassen.“ So jedenfalls würden die Studenten nicht ermutigt, „sich mit kritischer Urteilskraft einzumischen, sondern ’Schmuddelthemen’ zu meiden“. Bärbel Schubert

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