Gesundheit : Einsam essen vor der Glotze

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig – Mediziner warnen vor den gesundheitlichen Folgen

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Jedes zweite Kind ist zu schwer für seine Größe, jedes fünfte Kind ist krankhaft übergewichtig. Genetische Faktoren spielen dabei zwar eine wichtige Rolle. Doch nur drastische Veränderungen im Lebensstil können den eindeutigen Trend erklären: In den letzten 20 Jahren hat sich Zahl der Kinder verdoppelt, die zu viel Gewicht auf die Waage bringen. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Menschen, die schon in jungen Jahren an „Altersdiabetes“ erkranken oder einen Herzinfarkt erleiden.

Im letzten Sommer haben 140 Kinder und Sportärzte eine Resolution abgefasst, in der sie fordern, diese Entwicklung zu stoppen. Nicht umsonst waren auch Sportärzte mit von der Partie. „Bewegung ist noch wichtiger als die richtige Ernährung“, sagte damals der Präsident der deutschen Adipositas-Gesellschaft, Alfred Wirth.

Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der am Wochenende in Potsdam zu Ende ging, wurde das bestätigt. Wieland Kiess, Leiter der Klinik für Kinder und Jugendliche der Uni Leipzig, sagte: „Man kann fast eine lineare Beziehung zwischen der Dauer des täglichen Fernsehkonsums und dem Gewicht eines Kindes oder Jugendlichen herstellen.“ Dass die körperliche Leistungsfähigkeit der Sechs- bis 18-Jährigen in Deutschland in den letzten Jahren stark zurückging, ist auch das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag von AOK und Deutschem Sportbund entstand und an der 20000 Schüler teilnahmen.

Aber neben der Bewegung bleibt das richtige Essen für die ausgeglichene Energiebilanz wichtig. „Im dritten Lebensjahr werden dafür entscheidende Weichen gestellt“, so Kiess. Forscher sprechen nicht allein Fertigprodukte wie Softdrinks und süß-fettige Schokoriegel schuldig. Kiess mahnte auch: „Wir dürfen vor allem keine Einsamkeit von Kindern zulassen."

Das einsame Essen als Mittel gegen Frust, Langeweile und Angst und die überstrenge Selbstkritik am eigenen Erscheinungsbild haben zugenommen. Eine Studie der Fachhochschule Fulda und der ernährungspsychologischen Forschungsstelle Göttingen ergab: Heute glauben im Vergleich zu den 80ern mehr als doppelt so viele Jugendliche, sie müssten „sehr oder etwas abnehmen“. Neben Übergewicht machen die Autoren dafür „ein immer extremeres Schlankheitsideal" verantwortlich. aml

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