Gesundheit : Einstein hat doch Recht

Messungen des Weltraumteleskops „Hubble“ bestätigen die kosmologische Konstante, die der Physiker vorhergesagt hat

Paul Janositz

Warum dehnt sich das Weltall immer weiter aus und stürzt nicht in sich zusammen? Nach den Gesetzen der Schwerkraft müsste Letzteres der Fall sein und es gibt auch Theorien, die dieses Ende vorhersagen, doch erst in zig Milliarden Jahren.

Jetzt haben neue Messungen mit dem Weltraumteleskop „Hubble“ die Vermutung bestätigt, dass das schreckliche Ende ausbleiben könnte. Das Weltall wird sich zwar weiter ausdehnen – aber eher gemächlich. Galaxien und Sterne werden dabei nicht zu Grunde gehen.

Um zu erklären, dass der Weltraum unermüdlich auseinander strebt, schlug Albert Einstein die Einführung einer kosmologischen Konstante vor. Darunter verstand er eine Kraft, die gegen die Schwerkraft gerichtet ist. Später bezeichnete er seine Theorie als die „größte Eselei“, die er sich jemals ausgedacht habe. Doch mittlerweile ist die Theorie des Nobelpreisträgers von 1921 wieder salonfähig geworden.

Mysteriöse Energie

Der Ursprung der heutigen kosmologischen Vorstellungen geht auf den amerikanischen Astronomen Edwin Hubble zurück, Namensgeber des Weltraumteleskops. Er hatte vor etwa 75 Jahren die Idee vom Urknall entwickelt, von jenem Zeitpunkt also, an dem die gesamte, in einem Punkt vereinigte Materie des Kosmos explodierte. Die Frage war jedoch, ob sich das All - zwar allmählich verlangsamend - bis in alle Ewigkeit ausdehnen würde. Oder ob die Anziehungskraft zwischen den Galaxien einmal so stark werden könnte, dass sie sich wieder nähern können. Irgendwann käme es dann zum großen Zusammenstoß, der das Ende des Universums bedeutet.

Diesem Szenario begegneten Astronomen in den letzten Jahren mit einer anderen Hypothese. Sie sagten, die Expansion des Weltalls werde sich nicht verlangsamen, sondern beschleunigen. Als Ursache machten sie die „dunkle Energie“ aus. Dieser mysteriösen Energieform werden etwa 70 Prozent des Universums zugerechnet.

Im Detail ist über die „Dunkle Energie“ bisher wenig bekannt. Wissenschaftler versuchen seit Jahren ihre zwei Haupteigenschaften zu erkunden, nämlich Stärke und Beständigkeit. Jetzt scheint sich das Dunkel ein wenig zu lichten. Jüngste Erkenntnisse stützen die Annahme, dass sich hinter der dunklen Energie Einsteins Konstante verbirgt. „Ich bin ziemlich sicher, dass die kosmologische Konstante tatsächlich existiert“, sagte Adam Riess vom Weltraumteleskop-Forschungsinstitut am Freitag in Baltimore.

Und er verbindet dies mit einer tröstlichen Aussicht für unsere fernen Nachkommen: die dunkle Energie werde sich nicht so schnell verändern, dass das Universum ein abruptes Ende finden könnte. Das Weltall werde langsam expandieren und dabei allmählich kalt und dunkel werden. Kein abrupter kosmischer Herzinfarkt also, sondern eher ein sanftes Gleiten in die Altersphase des Universums.

Der Forscher stützt sich auf Daten des Weltraumteleskops „Hubble“, die er mit seinem Team ausgewertet hat. Einzelheiten sollen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Astrophysical Journal“ vorgestellt werden.

Die Hubble-Forscher hatten das Weltraumteleskop in eine Art Suchmaschine für explodierende Sterne, „Supernovae“ umprogrammiert. Die Leuchtkraft dieser hell aufflammenden Sterne wird als konstant angenommen. Werden sie dunkler, so liegt es daran, dass sich die Supernovae entfernen. Abnehmnde Helligkeit lässt also auf zunehmende Entfernung schließen.

Riess entdeckte 42 weit entfernte Supernovae, die explodierten, als das Universum weniger als halb so alt war wie gegenwärtig. Aus den Bildern errechneten die Wissenschaftler die Ausdehnungsrate des Universums in verschiedenen kosmischen Zeitaltern.

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