Gesundheit : Eintauchen ins Babelsberger Labyrinth

ALEXANDER KÖNIGS

...oder vom Problem, (fast) immer witzig zu sein / Serie Praktika (4): In der Redaktion von "Fritz"VON ALEXANDER KÖNIGS"Maaaahlzeit".Die Höflichkeitsfloskel klingt wie eine Drohung und wirkt seltsam deplaziert."Das ist also Mike Lehmann, auch bekannt als Fischfütterer und einer der Stars des Programms", denke ich und entgegne den Gruß mit "ähem, ebenso".Mein Weg zum "Bistro", wo ein halbwegs genießbares Essen angeboten wird, führt mich kreuz und quer über das DEFA-Gelände in Babelsberg.Nach einer Viertelstunde habe ich mich hoffnungslos verlaufen.Ein Techniker, der an einer der unzähligen Baracken arbeitet, beantwortet mir meine Frage nach "Fritz" mit " - der ist doch schon lange tot!", worauf er in unbeherrschtes Gelächter ausbricht. Mit einigem Nachdruck verweise ich darauf, daß das Jugendprogramm des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg so heißt, daß dieses ein besonderes ist, weil mit einigen Preisen ausgezeichnet, und daß sich seine Räumlichkeiten hier irgendwo in diesem Labyrinth verstecken.Da kann er mir auch nicht helfen.Ein Phänomen, das mir während meines Praktikums bei "Fritz" noch öfters auffiel.Niemand weiß so recht, wo etwas auf dem DEFA-Gelände zu finden ist. Dabei sind sie doch alle Angehörige der ORB-Familie: Radio Brandenburg, "Fritz" und das Fernsehprogramm des ORB.Deswegen mußte ich mich auch direkt beim ORB bewerben.Gefragt war das Standardprogramm: Anschreiben, Referenzen von einschlägigen Tätigkeiten, Lebenslauf, Paßfoto und Studienbescheinigung.Bei dem folgenden Bewerbungsgespräch konnte ich dann einen Blick auf die zahlreiche Konkurrenz werfen: "Alle ganz schön flippig, jung, dynamisch und witzig" - dachte ich und rechnete mir keine besonderen Chancen aus. Aber das Bewerbungsgespräch verlief ganz normal.Gefragt wurde, warum ich gerade zu "Fritz" wolle (warum denn eigentlich?), welche Vorkenntnisse ich vorzuweisen habe, und mit Fragen nach der Programmstruktur von "Fritz" klopfte man ab, ob ich mich mit dem Format auskannte.Weder Witze noch extrovertiertes Auftreten waren gefragt.Hoffte ich jedenfalls. Ich sollte recht behalten.Nach einigen Wochen bot man mir ein sechswöchiges Redaktionspraktikum an.Eine Programm-Managerin gab mir sofort in der ersten Stunde die entscheidenden Tips: "Erstens Initiative", so ihr Credo, "zweitens Eigeninitiative", und drittens erklärte sie mir die Aufgaben und Namen von Programm-Management und Redaktion, die ich auch nach sechs Wochen noch nicht behalten hatte. Je ein Team von freien Mitarbeitern übernimmt unter der Leitung eines Programm-Managers die redaktionelle Planung für eine ganze Woche.Da müssen Themen für die Morgenshow überlegt, Quizfragen und Spiele ausgedacht werden, Sponsoren für Preise aktiviert werden. Ohne viel Federlesens wurde ich dem aktuellen Team zugeteilt, ich bekam einen Arbeitsplatz mit Computer und Telefon und bearbeitete - Quizfragen, natürlich.Das ist anfangs ganz witzig, verliert aber nach einigen Tagen an Reiz, vor allem wenn die Fragen immer originell und witzig sein sollen ... Doch auch diese Zeit ging vorüber, ich schnipselte O-Töne an der Bandmaschine zusammen, wurde für Umfragen auf die Menschheit losgelassen und durfte gegen Ende des Praktikums eigenständig redaktionelle Beiträge recherchieren, schreiben und sprechen.Alles in allem war das Praktikum ein voller Erfolg.Das "Senderklima" ist klasse, und man hat wirklich vom ersten Tag an das Gefühl, zum Team zu gehören.Vorausgesetzt, man entwickelt eine gesunde Portion Selbstbewußtsein und eben Eigeninitiative, auf die "Radiofritzen" zuzugehen und Fragen zu stellen (was gar nicht so einfach ist, wenn man dauernd die Namen vergißt). Am Ende eines Praktikums war ich zudem nicht nur um einige Erfahrungen, sondern auch um 125 Mark Praktikumsvergütung pro Woche reicher.Das ist eben der "Luxus", den sich die öffentlich-rechtlichen Programme leisten, obwohl viele private Programme finanziell dazu eher in der Lage wären.Aber die sehen in Praktikanten oft nur billige Arbeitskräfte. Berwerbungen für ein Praktikum nimmt die Abteilung Aus- u.Fortbildung des ORB, Postfach 909090, 14439 Potsdam entgegen.Telefon: 0331 - 731 3827( Frau Olizeg)

0 Kommentare

Neuester Kommentar