Gesundheit : Eiszeit im Schattenreich

Plutos Atmosphäre hat sich offenbar deutlich abgekühlt

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Das Klima auf Pluto wandelt sich. Innerhalb von nur 14 Jahren habe sich die Atmosphäre des ohnehin schon frostigen Planeten um mehr als zehn Grad Celsius abgekühlt, berichten James Elliot vom Massachusetts Institute of Technologie und sein Forscherteam. In diesem Zeitraum hat sich Pluto ein wenig weiter von der wärmenden Sonne entfernt. Aber dies allein könne einen solchen Temperatursturz kaum erklären, meinen die amerikanischen Wissenschaftler.

Sie nahmen Pluto kürzlich in einer besonderen Nacht ins Visier: Am 20. Juli schob sich der Planet vor einen Stern. Eine solche Sternbedeckung wäre im Falle des stattlichen Jupiter kein außergewöhnliches Ereignis. Jupiter ist so groß, dass er des Öfteren den ein oder anderen Stern völlig ausblendet.

Pluto dagegen erscheint neben Jupiter winzig. Er ist zudem viel weiter von der Erde entfernt: 4,5 Milliarden Kilometer trennen uns derzeit von dem kleinsten Planeten des Sonnensystems. Keine Raumsonde hat den fernen Planeten je erreicht und aus der Nähe fotografiert. Und so sind die Erkenntnisse über Plutos Aufbau und die Zusammensetzung seiner dünnen Lufthülle bis heute spärlich.

1985 und 1988 erhaschten Wissenschaftler allerdings erstmals einen Einblick in Plutos Atmosphäre, während sich der Planet langsam vor einen Stern schob. Seine Lufthülle besteht den damaligen Messungen zufolge vor allem aus Stickstoff, aber auch aus kleinen Mengen Methan. Zudem scheint die Atmosphäre aus zwei Schichten aufgebaut zu sein.

Die Temperatur in der oberen Atmosphäre liegt bei minus 170 Grad Celsius. Auf der eisbedeckten Oberfläche ist es noch kälter. Je nach Region beträgt die Temperatur zwischen minus 210 und minus 230 Grad.

Forscher hatten vermutet, dass sich die langsame Entfernung Plutos von der Sonne nicht so schnell in einer Temperatursenkung niederschlagen würde. Doch die neuen Aufnahmen vermitteln einen anderen Eindurck.

„Plutos Atmosphäre kühlt sich global ab, während die Oberfläche des Planeten ein wenig wärmer geworden zu sein scheint“, sagt Marc Buie vom Lowell Observatorium in Flagstaff in Arizona. Die Ursache für die unerwartete Erwärmung der Oberfläche könnte darin liegen, dass die Atmosphäre langsam ausfriert und sich als Schnee auf den Planeten legt. Bildet dieser Schnee eine vergleichsweise dunkle Schicht, die das Sonnenlicht begierig aufnimmt, erwärmt sich die Planetenoberfläche.

Bislang kennt allerdings niemand die Farbe des plutonischen Schnees. Und Forscher der Europäischen Südsternwarte in Chile, die Pluto ebenfalls bei der Sternbedeckung beobachteten, kommen zu einem etwas anderen Ergebnis als ihre US–Kollegen.

Auch auf ihren Fotos ist zu erkennen, dass die Temperatur von der Atmosphäre hin zur Oberfläche heute nicht mehr so abrupt sinkt wie noch Ende der 80er Jahre. „Aber wir sehen keine Anzeichen für eine starke Abkühlung der Atmosphäre", sagt Bruno Sicardy vom Pariser Observatorium. Rätselhafter Pluto! Thomas de Padova

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