Gesundheit : Elektronik statt Hunde: Forschen für Sicherheit

Bundesregierung gibt 123 Millionen extra

Paul Janositz

Umständliches Abtasten auf Flughäfen, langwierige Kontrollen vor Stadiontoren, in Lastwagen schnüffelnde Polizeihunde: Solche Prozeduren möchte Annette Schavan modernisieren. „Elektronische Nasen können viel präziser Gift, Sprengstoff oder Drogen finden, als es mit Hunden möglich ist“, sagte die Bundesforschungsministerin am gestrigen Mittwoch vor der Presse.

Für intelligente Sicherheitslösungen brauche man Spitzenforschung. Hier sollen Fördermittel zusätzlichen Schub geben. „Erstmals hat die Bundesregierung ein ressortübergreifendes Programm zur zivilen Sicherheitsforschung beschlossen“, sagte Schavan. 123 Millionen Euro sollen es bis 2010 sein. Ab März können Anträge gestellt werden.

Anlass, das Budget für zivile Sicherheitsforschung aufzustocken, geben Terrorismus, Kriminalität und Naturkatastrophen. Kein Wunder, dass der Markt für Technik und Dienstleistungen im Sicherheitsbereich weltweit jährlich um sieben bis acht Prozent wächst.

Für Deutschland bezifferte Schavan den Umsatz der Sicherheitsbranche auf zehn Milliarden Euro pro Jahr. Dabei befinden sich etwa 80 Prozent der Infrastruktur, die für Sicherheit relevant ist, in privater Hand. Dazu zählen Strom- und Gasleitungen, aber auch Einrichtungen für Informations- und Kommunikationstechnik. Der Umsatz der Sicherheitsbranche wird weltweit auf jährlich rund 110 Milliarden Euro geschätzt.

Deutsche Unternehmen seien dabei mit an der Spitze, meint die Ministerin. Das betrifft nach einer Aufstellung des Vereins deutscher Ingenieure etwa industrielle Bildverarbeitung, Sensor- und Robotertechnik oder Gebäudeschutz. Auch Satellitentechnik oder sichere Produktkennzeichnung gehören dazu.

Auch neue Arbeitsplätze sollen entstehen, erklärte Schavan auf Nachfrage. Bis zu 1000 neue Stellen sieht sie im direkten Bereich der Sicherheitsbranche. Im weiteren Umfeld, bei Zulieferern oder Dienstleistern, könnten etwa zehn- bis hunderttausend zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden.

Die Förderung der Projekte orientiert sich an verschiedenen Szenarien. Dabei könnte es um die Rettung von Menschen gehen wie auch um den Schutz der Infrastruktur von Verkehrseinrichtungen oder der Energieversorgung. Beispielsweise könnte es wichtig sein, Internetverbindungen und Stromleitungen schnell wiederherzustellen oder die Versorgung mit lebenswichtigen Waren zu sichern.

Meist ist innovative Technik, etwa zur schnellen Identifizierung von Personen oder zum Aufspüren gefährlicher Substanzen, in mehreren Szenarien gleichzeitig gefragt. Hier setzt die Programmlinie „Technologieverbünde“ an. Dabei soll, ausgehend von der Forschung über die Industrie bis zu den Endnutzern, Basiswissen erarbeitet werden, das zu anwendungsnahen Innovationen führen kann.

Hierbei dürfte der Konflikt zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und den Rechten des Individuums unausweichlich sein. Um auszuloten, wie weit Sicherheitsbedürfnisse gehen können und wo sie individuelle Freiheitsrechte gefährden, will Schavan zehn Prozent der Fördermittel für sozial- und gesellschaftspolitische Forschung bereithalten.

Dabei muss der Blick auch über Grenzen gehen. So ist das Sicherheitsthema ein Schwerpunkt des siebten europäischen Rahmenprogramms zur Forschungsförderung geworden. „Auf unser Betreiben“, sagt Schavan. Das Budget für den Zeitraum von 2007 bis 2013 beträgt etwa 1,4 Milliarden Euro.

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