Gesundheit : Energieversorgung: Kernkraft? Ja, auch!

Gideon Heimann

Wie soll die Energieversorgung künftig gesichert werden, wenn die fossilen Brenn- und Kraftstoffe zumindest in schon erkennbarer Zeit immer knapper werden? Wie hält man die Kosten dafür niedrig, weil nur dies die internationale Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand hier zu Lande erhalten kann? Endgültige Antworten gab es auf dem Symposium "Energieforschung" von Wissenschaft und Wirtschaft zu Wochenbeginn zwar noch nicht, aber immerhin wollen beide das Thema nun gemeinsam angehen - demnächst auch in Gesprächen mit den beteiligten Bundesministerien.

Ein Positionspapier ist erarbeitet worden, das von allen deutschen Forschungsorganisationen getragen wird, sagte Joachim Treusch, Vorstandschef des Forschungszentrums Jülich, der das Treffen von Seiten der Helmholtz-Gemeinschaft organisiert hat. Ein Wunder ist das nicht, denn darin kommen alle zu ihrem Recht, "von den Solar- bis hin zu den Kernkraftfreaks" (Treusch).

Letztere sind übrigens auf Grund der Terroranschläge vom 11. September vielleicht etwas nachdenklich geworden, wo doch auch Atomkraftwerke einer solchen Einwirkung nicht standhalten würden. Aber eine freie, hochtechnisierte Gesellschaft sei eben in vielerlei Hinsicht gefährdet, da müsse man sich davor hüten, an Sicherheitsmaßnahmen nur für ein System zu denken, zitierte Treusch die Auffassung von Teilnehmern.

Für die Kernkraft spreche die Versorgungssicherheit an Spaltmaterial noch über Jahrhunderte hinweg und der Ansatz, solche Kraftwerke "inhärent sicher" zu konstruieren, damit sie bei Störfällen erst gar nicht in einen unkontrollierten Zustand geraten könnten. Daran müsse freilich ebenso geforscht werden wie an der Entsorgungssicherheit. Aber auch die Hoffnung auf die Kernfusion wurde noch nicht aufgegeben, obschon die Perspektive bis zur ersten Energiegewinnung je nach Technik mit zehn bis 25 Jahren recht lang bemessen ist.

Und die regenerativen Energieformen? Die Forschung daran müsse zu einer Steigerung der Effizienz und zur Senkung der Kosten führen, sagte Klaus-Dieter Vöhringer. Er ist Vorstandsmitglied bei DaimlerChrysler und beim Bundesverand der Deutschen Industrie für Forschungs- und Technologiepolitik zuständig, also Mitorganisator der Veranstaltung. So kann die Ausbeute der Windenergie durch leistungsstärkere Generatoren deutlich verbessert werden. Auch bei der Photovoltaik geht es um höhere Wirkungsgrade bei niedrigeren Kosten, sie werde "einen nennenswerten Beitrag zur Stromerzeugung in Europa erst jenseits von 2020 liefern können", heißt es im Papier. Solar- und Geothermie seien viel versprechend, doch auch herkömmliche Kraftwerke könnten durch Forschungen effizienter werden.

Langfristige Verfahrens- und Materialforschung überall, da müsse "die öffentliche Forschungsförderung einen langen Atem" haben. Mehr Mittel sind nötig, so habe selbst der Wissenschaftsrat eine Aufstockung um 30 Prozent gefordert. Die Forschung der Industrie hingegen muss "überwiegend auf kurzfristig (...) anwendbare Ergebnisse gerichtet sein, die eine relativ rasche Amortisation der Forschungsinvestitionen erlauben und somit von den Unternehmen selbst getragen werden können." Sie sollten sich freilich verstärkt mit der öffentlich finanzierten Forschung in anwendungsbezogenen Projekten engagieren.

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