Gesundheit : Engler setzt sich durch

Umstrittener Soziologe Rektor bei „Ernst Busch“

Amory Burchard

Die Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch hat einen neuen Rektor. Der einzige Kandidat, Kultursoziologe Wolfgang Engler, wurde gestern vom Akademischen Senat mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Klaus Völker gewählt: 14 Senatsmitglieder stimmten für Engler, zwei gegen ihn, zwei enthielten sich. Ein Traumergebnis für den studierten Philosophen, der seit 1981 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule lehrt. Denn der 1952 in Dresden geborene Engler ist umstritten.

Die Zweifel, ob der als Buchautor bekannte Engler („Bürger, ohne Arbeit“) der geeignete Kandidat für die Leitung der renommiertesten deutschen Schauspielschule sei, wurden allerdings von außen laut. Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität glaubt, belastendes Material zu Engler gefunden zu haben. Im Oktober 1989 hatten Schauspielstudenten einen Aufruf für das Neue Forum unterschrieben. Aus einem Bericht an das DDR-Kulturministerium gehe hervor, dass Engler die Studenten in „Aussprachen“ bearbeiten sollte, hieß es kürzlich in einem Bericht der Zeitung „Die Welt“.

Interesse am Fall Engler bekundete auch der Berliner CDU-Abgeordnete Karl-Georg Wellmann. Im Abgeordnetenhaus wollte er jetzt von Kultursenator Thomas Flierl (PDS) wissen, ob der einzige Kandidat für das Rektorat Studenten „vor Tribunalen diskreditierte“. Dies sei ihm nicht bekannt, antwortete Flierl knapp. Auch zu anderen Fragen stellte er sich hinter den Kandidaten. So hatte Wellmann kritisiert, dass der Bewerber – Englers Name wird nicht genannt – Soziologe und „kein ausgewiesener Theaterfachmann sei“. Außerdem sei vor der Wahl die Satzung der Hochschule geändert worden, um den Weg für den „Alleinvorschlag“ frei zu machen. Flierl erklärte, es sei „durchaus plausibel“, dass ein langjähriger „Hochschulmitarbeiter, der auf theoretischem Gebiet tätig ist“, Rektor an einer Hochschule für Schauspielkunst wird. Und Beschlüsse der akademischen Selbstverwaltung kommentiere er nicht. An der Hochschule wird vermutet, dass die CDU mit der Anfrage vor allem Flierl schaden wollte, der mit Engler studiert hat und mit ihm befreundet sein soll.

Fest steht: Die Satzung wurde geändert, damit nicht nur Professoren, sondern auch wissenschaftliche Mitarbeiter kandidieren können. Das bestätigt Puppenspiel-Professor Jochen Menzel, Sprecher des Akademischen Senats. Nachdem Engler nach langer Suche als einziger ernsthafter und zudem von vielen favorisierter Kandidat übrig blieb, sei dies mit Zustimmung des Hochschulrats geschehen. Das neue Statut sei einfach eine „Reformsatzung“.

Ernster nahm man an der „Ernst Busch“ die Vorwürfe, Engler sei regimenah gewesen. Bei einer Hochschulversammlung in der vergangenen Woche seien diese Vorwürfe aber ausgeräumt worden, sagt Menzel. Ein Kollege habe sich erinnert, dass Engler und er die Studenten 1989 unterstützt und vor Verfolgung bewahrt hätten. Und eine ohne Englers Zutun von der Hochschule verwiesene Studentin habe ihn als „ideologiefreien“ Dozenten gelobt.

Rektor Engler will sich unterdessen an die Arbeit machen. Sein Ziel: Die mit vier Standorten über den Berliner Osten verstreute Hochschule unter einem Dach zu vereinen.

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