Gesundheit : Erfrischender Favorit für Humboldt Kandidat Markschies: jung, erfolgreich, kreativ

Anja Kühne

Mit einem Heilbutt-Essen, gekocht von seiner Frau, hat Christoph Markschies sich am Freitag gestärkt, bevor er die neugierigen Anfragen der Medien beantwortete. So viel Zeit muss sein, selbst wenn einer gerade erst als einziger Kandidat für die Präsidentenwahl der Humboldt-Universität nominiert wurde. Als Professor für Ältere Kirchengeschichte ist Markschies daran gewöhnt, in größeren Zeitetappen zu denken. Ein wunderbar unmodernes Fach hat er, weit weg von den trendigen Gebieten rund um Bio, Nano und Techno, mit denen die Hochschulen immer mehr Geld einwerben wollen. Trotzdem hat Markschies mit seiner Arbeit zum antiken Christentum im Alter von nur 38 Jahren den wichtigsten deutschen Wissenschaftspreis gewonnen, den Leibnizpreis.

Jetzt ist Markschies 42, immer noch ziemlich jung. Auch das ist eins von vielen Argumenten, die die Findungskommission für ihn hat. Markschies ist frisch und kann die Uni – wenn sie ihn will! – auch noch eine Amtszeit führen. „Er liebt die Uni, er liebt die Studenten, er ist ein guter Lehrer und Wissenschaftler“, schwärmt der Leiter der Findungskommission, Günter Stock. Deswegen habe sich die Kommission für nur einen Kandidaten entschieden.

Könnte die späte Entscheidung für Markschies gegenüber den beiden anderen lange als Favoriten geltenden Professoren Erich Thies und Konrad Osterwalder unfair wirken, weil beide so lange keine Absage bekamen? Stock sagt, das Verfahren sei nun einmal sehr lange offen gewesen. Allerdings hätte Thies dem Vernehmen nach ohnehin nur dann kandidiert, wenn die Uni keinen Kandidaten aus ihren eigenen Reihen gefunden hätte.

Die Kommission hatte den evangelischen Theologen schon vor Monaten versucht zu werben. Doch der schwankte. Als Markschies sich doch einen Ruck gab, fällte die Findungskommission ihre Entscheidung einstimmig.

„Witzig, intelligent, sympathisch“ sei er, ist aus der Uni und ihrem Umfeld zu hören. Repräsentieren kann er auch, wie Berliner wissen, die seine Predigten im Berliner Dom gehört haben. Aber hat Markschies auch genug hochschulpolitische Erfahrungen, um sich mit Berlins Finanzsenator zu streiten? Ein Gremienhengst war Markschies an der Uni bislang nicht. Und die Humboldt-Uni kennt er erst seit gut einem Jahr, vorher lehrte er in Heidelberg, Jerusalem und Jena. Dorthin wurde er als nur 32-Jähriger zum Professor berufen. Vizepräsidentin Baer ist davon überzeugt, dass Markschies sich schnell einarbeiten wird. „Wichtiger als hochschulpolitische Erfahrungen sind die Visionen, die er mitbringt“, sagt sie. Im Übrigen stünden ihm mit Jürgen Prömel und Frank Eveslage zwei Vizepräsidenten mit Erfahrungen zur Seite. „Er ist ja nicht allein.“

Markschies selbst sagt, er habe seinen Arbeitsschwerpunkt bislang nicht in der Wissenschaftspolitik gesehen, „doch die Wissenschaftspolitik hat in der letzten Zeit ein immer größeres Gewicht bekommen.“ So habe er sich im Beirat des Berliner Wissenschaftskollegs oder der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit wissenschaftspolitischen Fragen befasst.

„Kreative Zerstörung“ heißt der Exzellenzcluster, mit dem Markschies in den Elite-Wettbewerb von Bund und Ländern ziehen will. Sein Programm für die HU sei aber ein anderes, sagt er lachend. Sich für den Elite-Wettbewerb gut aufstellen, über den tenure track für den wissenschaftlichen Nachwuchs diskutieren. Mit der Freien Universität will Markschies eng zusammenarbeiten. Viele junge Wissenschaftler seien unbelastet von der langjährigen Konkurrenz beider Unis. Die Viertelparität in den Gremien einzuführen, wie es der Wissenschaftssenator wünscht, hält Markschies nicht für geboten. Mehr wird er dem HU-Konzil am 25. Oktober bei der Anhörung erklären. Am 1. November wird gewählt.

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