Gesundheit : Erreger mit Flügeln

Vogelgrippe in Asien wieder auf dem Vormarsch

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In Thailand und China ist die Vogelgrippe erneut ausgebrochen. Auch Menschen sind bedroht, falls der Erreger überspringt. Bereits vergangene Woche sind in Vietnam nicht weniger als 3000 Hühner an der Tierseuche verendet. Nun sind auf einer Hühnerfarm rund 70 Kilometer nördlich der thailändischen Hauptstadt Bangkok 2000 Tiere an der Krankheit gestorben. Um eine Ausbreitung der Viren zu stoppen, mussten etwa 8000 Hühner notgeschlachtet werden.

In China steht die betroffene Farm in der Stadt Chaohu unter Quarantäne – zahlreiche Tiere im Umkreis wurden getötet. Die chinesische Regierung hatte erst Mitte März den Sieg über die Epidemie verkündet, damals allerdings auch davor gewarnt, dass das Virus wiederkehren könnte.

„Es ist kein Wunder, dass der Erreger zurückgekommen ist“, sagte Roy Wadia, ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO in Peking. „Er hält sich sehr hartnäckig in der Umwelt.“

Anfang des Jahres war es bereits zu großen Ausbrüchen der Vogelgrippe in diversen asiatischen Ländern gekommen. 100 Millionen Hühner wurden geschlachtet, 23 Menschen starben.

In einer Studie, veröffentlicht in der heutigen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“, ist ein internationales Forscherteam der Entstehung des Virus nachgegangen. Es zeigt sich: Das Virus mit dem Namen „H5N1“ geht vermutlich auf ein Vorläufervirus zurück, dessen Träger eine Ente im Süden Chinas gewesen sein könnte. Zugvögel könnten zur Verbreitung dieses Virus beigetragen haben.

Warum ist das Virus für Menschen so gefährlich? Im Moment ist es offenbar so, dass das Virus nur in extremen Ausnahmefällen auf den Menschen „springt“. Viren sind Erreger, die nicht eigenständig leben können. Dazu brauchen sie einen Wirt. Sie benutzen dessen Zellapparat, um sich zu vermehren. Jedes Virus passt sich dabei einem spezifischen Wirt an – in diesem Fall Geflügel. Die Gefahr dabei ist: Durch ständigen Kontakt mit dem Menschen kann sich der Erreger allmählich an einen neuen Wirt anpassen. Er mutiert – bis er die Fähigkeit erhält, auch Menschen zu infizieren. Mutation ist aber nur eine Möglichkeit für ein Virus, sich einen neuen Wirt zu erobern. Es kann sein Erbgut auch mit einem zweiten Erreger kombinieren, der bereits dem Menschen angepasst ist – etwa einem hochansteckenden Influenza-Virus.

In Südchina hat sich zurzeit beispielsweise das menschliche Influenza-Virus H3N2 in Schweinen verbreitet, wie die Forscher in „Nature“ berichten. Infiziert sich ein solches Tier auch mit dem Vogelgrippe-Virus, besteht die Gefahr, dass ein neuer, an Menschen angepasster Erreger entsteht.

„Es ist unbedingt notwendig, Ausbrüche der Vogelgrippe in Asien schnell und nachhaltig zu kontrollieren“, lautet deshalb das Fazit der „Nature“-Autoren. So ist Hongkong dieses Jahr bisher von der Epidemie verschont geblieben – dank rigoroser Importverbote und strenger Kontrollen. bas/dpa

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