Gesundheit : Erst üben, dann reden

Das erste Rhetorikseminar des Tagesspiegels für Schüler und Studierende

Dorothee Nolte

Was ist die größte Erfindung der Menschheit? Der Stift, das Papier, die Brille? Darüber eine einminütige Stegreifrede zu halten, ist nicht so schwierig. Aber es übt: aufstehen, Publikum anblicken, Argumente in sinnvoller Reihenfolge vorbringen, auf einen Zielsatz zusteuern – Fähigkeiten, die man auch bei ernsthafteren Themen braucht. „Soll Genmanipulation verboten werden?“ Eine Minute Redezeit. Und los!

Viele kleine Reden, gewichtige und lustige, wurden am Wochenende beim ersten Rhetorikseminar von Tagesspiegel und Urania gehalten. Rund 30 Schüler und Studierende waren zu dem Seminar mit Tim Wagner (Humboldt-Universität) und Annette Weber-Diehl (Rhetorik-Trainerin) in die großzügige oberste Etage des Altbaus der Urania gekommen. „Mein Berufswunsch ist Moderator“ – für den 17-jährigen Manuel Hercygier war das der Grund, am Rhetorikseminar teilzunehmen. Die meisten anderen hatten näher liegende Ziele: die mündliche Abiturprüfung, das Uni-Referat oder das erste Bewerbungsgespräch souverän hinter sich zu bringen.

Die Karten für das erste Seminar waren so schnell ausverkauft, dass ein zweiter Termin angesetzt werden musste, der ebenfalls ausverkauft ist. Weitere Seminare werden folgen (siehe Kasten). Das Besondere: Die Teilnehmer übten sich zunächst in Gruppen darin, ihre Argumente zu strukturieren und auch mit ihrer Körpersprache zu überzeugen. „Überlegen Sie sich zuerst den Satz, mit dem Ihre Rede enden soll“, empfahl Tim Wagner. Annette Weber-Diehl gab Tipps, wie man am besten mit Lampenfieber umgeht oder sein Zwerchfell, also auch die Stimme, trainiert. Doch damit nicht genug: Zum Abschluss konnten die Teilnehmer das Gelernte in einer Diskussion mit Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt anwenden, der nachhakte oder rhetorisch die Gegenposition bezog.

Sollen in Deutschland Schuluniformen eingeführt werden?, war eines der Themen der Abschlussdiskussion. „Uniformen stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl“, sagte Pro-Redner Matthias. „Gucken Sie sich doch in den oberen Etagen eines Konzerns um, da sehen auch alle gleich aus.“ Immerhin zwei Uniform-Gegner im Publikum konnte er auf seine Seite ziehen. Carsten Beister vom Werner-von-Siemens-Gymnasium hielt ein Plädoyer dafür, Ein-Hüllen-Tanker so schnell wie möglich zu verbieten – und verwandelte elf Unentschiedene in elf Befürworter eines baldigen Verbots. „Das war stressig, wie eine Prüfungssituation“, sagte er hinterher. „Eine gute Vorbereitung aufs Abi.“

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