Gesundheit : Es lebe die Benjamin-Franklin-Charité

Wie soll das künftige Berliner Uniklinikum heißen?

Uwe Schlicht

Beide Hochschulen – die Humboldt-Universität und die Freie Universität – wollen die Fusion der Universitätsmedizin in Berlin inzwischen. Aber über den Namen der künftigen gemeinsamen Institution können sich die Universitätspräsidenten nicht einigen. „Charité“ ist ein Name, der in Deutschland und auch international mit der Erinnerung an ein weltberühmtes Universitätskrankenhaus besetzt ist, das Medizingeschichte geschrieben hat. Der Name „Benjamin Franklin“ erinnert an einen amerikanischen Spitzenpolitiker, der die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet hat und ein bedeutender Naturwissenschaftler war. Seit dem Abzug der Alliierten aus Berlin trägt das FU-Klinikum Steglitz seinen Namen.

Das Dilemma ist: Ein gemeinsames Klinikum zweier Universitäten kann nur einen Namen tragen. Doch die Freie Universität fühlt sich brüskiert, wenn dieser gemeinsame Name „Charité“ lauten sollte. Denn dann werde eine Gründungstradition abgebrochen, nämlich die Mitwirkung der Amerikaner an der Gründung der Freien Universität. So formulierte es kürzlich Präsident Peter Gaehtgens. Der Dekan des FU-Fachbereichs Humanmedizin, Martin Paul, stößt ins gleiche Horn: „Eine gleichberechtigte Fusion muss sich im Namen ausdrücken, sonst ist es eine Übernahme.“ Das kleinere FU-Klinikum Benjamin Franklin würde von der großen Charité übernommen.

Für die Humboldt-Universität dagegen ist der Name Charité unverzichtbar. HU-Präsident Jürgen Mlynek bezeichnet ihn als „internationales Markenzeichen“. Die Expertenkommission hatte den Streit um den Namen zwischen der Freien Universität und der Humboldt-Universität vorausgeahnt und deswegen in ihren Fusionsempfehlungen nur einen Platzhalter mit dem bürokratischen Titel „Zentrum universitäre Medizin Berlin“ vorgesehen.

Wegen dieses Streits glaubt der Gesetzgeber selbst handeln zu müssen. Die beiden Väter des Vorschaltgesetzes, Bernd Flemming (SPD) sowie Benjamin Hoff (PDS), setzten den Namen „Charité – Berliner Hochschulmedizin“ in ihren Gesetzentwurf und lieferten gleich die handliche Abkürzung „CBH“ mit. Diese Schöpfung findet auch die Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit.

Der Streit wird bis zur voraussichtlichen Verabschiedung des Vorschaltgesetzes am 22. Mai die Gemüter erregen. Vielleicht auch danach. Denn die Universitätsvertreter sind ohnehin der Ansicht, dass im Vorschaltgesetz viel zu viel von den Politikern vorformuliert wird und wesentliche Fragen besser den Medizinern zur Regelung selbst überlassen bleiben sollten. Der ärztliche Direktor des Klinikums Benjamin Franklin, Wolfgang Hinkelbein, machte diesen salomonischen Vorschlag schon vor den Abgeordneten.

Den Rekord an Namenslänge hält immer noch FU-Präsident Gaehtgens mit der Formulierung „Gemeinsame medizinische Fakultät von Freier Universität und Humboldt-Universität – Campus Virchow, Campus Charité Mitte, Campus Benjamin Franklin“. Bestimmt kann sich die internationale Szene das gut merken.

Nur an den Namen Charité wird sich dann niemand mehr erinnern.

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