Gesundheit : „Es wäre dumm, jetzt aufzuhören“

Aktivisten wollen weiterstreiken – weil schon so viel erreicht sei

Jan-Martin Wiarda

Klar geht der Streik nach Weihnachten weiter, keine Frage. Sagt Marius Pöthe, Asta- Vorsitzender der Technischen Universität. Von Streikmüdigkeit keine Spur, die Motivation stimme. Physikstudent Clemens, seit Wochen aktiv in Sachen kreative Aktionen, sagt etwas anderes: „Der Streik ist wichtig, aber ich möchte trotzdem meine Scheine haben.“ Auch wenn Asta-Vorsitzende und Streikbüros Optimismus verbreiten: Bei den streikenden Studenten an den drei Berliner Universitäten macht sich Furcht breit, der Kampf gegen die Kürzungen im Bildungshaushalt könnte sie das Semester kosten. Auch die Hochschulleitungen, an sich solidarisch mit den Protesten, warnen. „Ab Januar wird es wirklich eng“, sagt Susann Morgner, Pressesprecherin der Humboldt-Universität.

Das Problem ist, dass ein Studentenstreik hochschulrechtlich gar nicht vorgesehen ist. Deshalb gibt es keine Richtlinien für Dozenten, wie sie mit der streikbedingten Abwesenheit ihrer Studenten umgehen sollen. Folglich bestimmen die Studienordnungen der einzelnen Fächer und das Ermessen der Lehrenden, welche Leistungen mit Scheinen belohnt werden. Die Universitätsleitungen haben Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter zwar aufgerufen, sich flexibel zu verhalten. Das könnte bedeuten, Hausarbeiten statt Klausuren schreiben zu lassen und Vorlesungen in den Semesterferien nachzuholen. Doch die Möglichkeiten dafür würden immer geringer, sagt Morgner. „Ab einem gewissen Punkt werden wir nicht mehr genug Räume haben, um alles nachzuholen.“

Die Studenten reagieren unterschiedlich auf den drohenden Semesterausfall. „Natürlich habe ich Angst, das Semester zu verlieren“, sagt FU-Studentin Kathrin. „Aber ich denke, dass es das wert wäre.“ Sie hat alle Veranstaltungen geschmissen, Streik und Studieren ließen sich nicht kombinieren, sagt sie. TU-Student Clemens berichtet dagegen, dass viele Seminare längst wieder über die Bühne gingen, sogar in der Streikhochburg Physik: „Die Samstagsdemos sind Kult, aber die Aktionen schlafen ein, abgesehen von gelegentlichen Besetzungen.“

Die Gefahr, dass der Streik über die Weihnachtsferien ganz verebben könnte, sehen die Organisatoren trotzdem nicht. „Es wäre dumm, jetzt aufzuhören“, sagt Peter Hartig von der Studentenvertretung der Humboldt-Universität. „In der Politik bewegt sich doch was.“ Nicht nur dass PDS und SPD die Viertelparität versprochen haben, der Senat wolle jetzt ja auch eine Kommission einrichten, die sich die Kürzungen noch einmal genauer anschauen soll. Da sind die Studenten allerdings PR-Meldungen von Politikern aufgesessen, die die Studenten besänftigen wollen: Die Viertelparität steht schon im Koalitionsvertrag, und die Kommission war bereits vor Beginn der Studentenproteste geplant.

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