Gesundheit : „Es war ein wunderbares Gefühl“

Weihnachten vor 35 Jahren: Der Astronaut Frank Borman sieht als erster Mensch die Rückseite des Mondes

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Sie gehören zu den drei Astronauten, die Heiligabend vor 35 Jahren in die Umlaufbahn des Mondes einschwenkten, um als erste Menschen den Mond von hinten zu sehen. Was war das für ein Gefühl?

Es war Weihnachten und eine nostalgische Stimmung. Für mich war es das Faszinierendste, auf die Erde zurückzublicken. Die Erde war das Einzige im Universum, das nicht nur eine Farbe hatte, sondern in allen Farben erstrahlte.

Wie sah der Mond von hinten aus?

Der Mond ist sehr öde. Er ist furchtbar gezeichnet von Meteoriteneinschlägen und vulkanischen Aktivitäten. Die abgewandte Seite ist noch stärker verwüstet als die Seite, die wir immer von der Erde sehen. Sie ist noch rauer, weil sie offenbar noch stärker von Meteoriten bombadiert wurde. Es gibt da alle möglichen Zwischentöne von Grau. Das ist kein Ort, wohin man in Urlaub fahren würde.

Wie haben Sie sich auf den Flug vorbereitet?

Ich war acht Jahre lang bei der Nasa und bin während dieser Zeit nur zweimal geflogen. Unser Auftrag war besonders schwierig, weil wir mit der Mondfähre ursprünglich nur die Erde umkreisen wollten. Dann bekam der Geheimdienst CIA Wind davon, dass die Russen vor hatten, den Mond noch vor Ende 1968 mit einer bemannten Sonde zu umkreisen. So änderte sich im August plötzlich unser Auftrag – obwohl unsere Mondfähre noch nicht fertig war.

Was bedeutete das?

Nun, wenn wir Probleme mit dem Kommandomodul gehabt hätten, wie es sie auf Apollo 13 gab, wären wir in Schwierigkeiten gewesen. Aber wir hatten glücklicherweise keine Probleme.

Hatten Sie das Gefühl, um eines Wettlaufs willen unnötigen Gefahren ausgesetzt zu sein?

Nein. Ich kannte das Raumschiff vorwärts und rückwärts. Der Mondflug war eine enorme Anstrengung, aber wir hatten die Unterstützung des gesamten Landes. Und einer der Gründe dafür war, dass das Apollo-Programm wirklich eine Schlacht im Kalten Krieg war. Wir brannten alle darauf zu fliegen.

Hatten Sie keine Angst?

Nein, wir hatten keine Angst. Wir wollten, dass unsere Crew keine Fehler macht. Das war die größte Sorge.

Erinnern Sie sich noch daran, was Ihnen beim Start durch den Kopf ging?

Ehrlich gesagt, erinnere ich mich nicht. Ich weiß, dass wir total mit unserem Auftrag beschäftigt waren. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Gedanken an andere Dinge wie weggeblasen. Ich habe weder an die Familie noch an sonst etwas gedacht. Auch nach dem Abflug hatten wir so viel zu tun und zu überwachen, das forderte unsere volle Konzentration.

Wie waren die Bedingungen im Raumschiff?

Das Apollo-Raumschiff war relativ gemütlich. Ich war schon einmal zwei Wochen mit der „Gemini“-Raumkapsel geflogen, und die war sehr, sehr eng. Da hatte ich weniger Platz als auf dem Vordersitz eines VW-Käfers. Während der Apollo-Mission hatten wir eine abgehängte Schlafeinrichtung und konnten uns ausstrecken. Und natürlich war die Schwerelosigkeit eine großartige Verbündete, weil man da nicht hin und her geworfen oder eingequetscht wird.

Wie lange waren Sie unterwegs?

Der Flug dauerte sechs Tage.

Gab es einen spürbaren Wechsel, als Sie in die Mondumlaufbahn eintraten?

Während des Fluges zwischen Erde und Mond sahen wir nur die Sterne und auf einer Seite die Sonne. Den Mond konnten wir wegen der Ausrichtung des Raumschiffs kaum sehen. Nun hatten wir endlich wieder einen Bezugspunkt: den Horizont des Mondes.

Ihr Raumschiff geriet nun ins Schwerefeld des Mondes. Spürt man das?

Nein. Wir haben unsere Rakete abgefeuert, um das Raumschiff so stark zu bremsen, dass uns der Mond einfangen konnte. Aber danach war es wieder ein schwereloser Flug.

Standen Sie die ganze Zeit über im Kontakt mit Houston?

Wir haben den Kontakt verloren, als wir hinter dem Mond waren.

Wie lange dauerte das?

Etwa 30 bis 38 Minuten, soweit ich mich erinnere.

Wie viele Male haben Sie den Mond umkreist?

Zehn Mal.

Wie war das, die Rückseite des Mondes zu sehen?

Wir haben natürlich Fotos gemacht und die Mondoberfläche beobachtet. Es war ein wunderbares Gefühl, nach all der Mühe auf den Mond herabzusehen. Wir waren die ersten Menschen, die das konnten. Aber wir hatten einen unglaublich dichten Zeitplan. Es gab keinen freien Moment, keinen Augenblick der Muße.

Können Sie die Perspektive von da oben beschreiben?

Die Mondoberfläche war hell erleuchtet, denn die Sonne stand gerade auf der von der Erde abgewandten Seite des Monds.

Wären auch Sie gerne auf dem Mond herumspaziert wie später Armstrong und Aldrin?

Nein. Ich war beim Militär. Manche Leute dort hatten echtes Abenteurerblut und wollten dies und jenes tun. Ich nicht. Ich wollte meinen Auftrag erfüllen, ihn gut machen und die Russen schlagen.

Haben Sie sich später im Schatten von Armstrong und Aldrin gefühlt?

Nein. Wir haben unseren Job gemacht, und wir haben ihn gut gemacht. Nachdem Armstrong und Aldrin auf den Mond gelandet waren, war für mich das Hauptziel des Apollo-Programms erreicht.

Seit 1972 hat es keinen bemannten Flug mehr zum Mond gegeben. Meinen Sie, die Nasa hat ihr Interesse daran verloren?

Das glaube ich nicht. Aber, wie gesagt, es war eine Schlacht im Kalten Krieg. Und ich bin überzeugt davon, dass sie mit geholfen hat, den Kalten Krieg schließlich zu beenden. Ich nehme an, heute ist es sehr viel schwieriger für die Nasa, weil ihr Auftrag unklar ist. Die internationale Raumstation ist sicher wichtig, nicht nur für Amerika, sondern für alle Staaten. Aber sie hat nicht dieselbe Dringlichkeit und Bedeutung wie der Mondflug.

Glauben Sie, dass die Nasa ihr Mondflugprogramm irgendwann wieder aufnehmen wird?

Irgendwann schon. Aber ich glaube, es wird ein internationales Programm sein, das die Zusammenarbeit zwischen allen Ländern der Erde stärken wird.

Wie viel würde so etwas kosten?

Eine Menge. Es würde eine Menge kosten. (lacht). Aber ich glaube, es würde sich lohnen.

Sehen Sie den Mond heute mit anderen Augen?

Ich schaue ihn mir machnmal an, und es ist schwierig für mich zu glauben, dass ich dort oben gewesen bin.

Das Interview führte Hannah Lobel.

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