Gesundheit : Essen wie in Italien, fünfmal Sport – und nicht rauchen

Treffpunkt Tagesspiegel: Wie schützt man sich vor dem Infarkt?

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Von Marion Kerstholt

Nicht rauchen, essen wie in Italien ( „mediterrane Kost“) und fünfmal in der Woche eine halbe Stunde Ausdauersport – so einfach lautet das Geheimnis eines gesunden Herzens. Darin waren sich die Experten beim Treffpunkt Tagesspiegel am Kranzlereck am Berliner Kudamm einig.

Die Vorbeugung von Herzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil sollte im Vordergrund stehen. Denn nur wenn auf Prävention gesetzt wird, können die Gesundheitskosten in den kommenden Jahren überschaubar bleiben. Herzkreislauferkrankungen sind in Deutschland seit Jahrzehnten die häufigste Todesursache – jeder zweite Deutsche stirbt daran.

Und schon heute sind die Kosten des ungesunden Lebensstils in Deutschland enorm: Die 280 000 Herzinfarkte jährlich ziehen Folgekosten von etwa sechs Milliarden Euro nach sich. Und in den nächsten 25 Jahren wird die Zahl der Infarkte weiter steigen, auf schätzungsweise 450 000.

Doch welche gesundheitspolitischen Maßnahmen können, sollen ergriffen werden, um die Menschen von einem vernünftigen Lebensstil zu überzeugen? „Man muss den Menschen Anreize für ein gesundes Leben geben“, sagte Klaus Held, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation. Dazu könnten auch „Belohnungen für Vernünftige“ eingeführt werden. Nichtraucher könnten zum Beispiel günstigere Tarife bei der Krankenkasse erhalten, wie Eckart Fleck vorschlug, Leiter der Kardiologe am Deutschen Herzzentrum in Berlin.

So liegt das besondere Augenmerk bei der Vorbeugung von Herzerkrankungen grundsätzlich auf dem Tabakkonsum. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Nichtrauchen der wichtigste Beitrag, den man für die Gesundheit leisten kann. „Doch noch immer wird mehr Geld für die Tabakwerbung als für die Suchtprävention aufgewendet“, stellte George Turner, ehemaliger Berliner Wissenschaftssenator und Moderator der Podiumsdiskussion, fest. Andererseits: Selbst in den USA, wo Tabakwerbung schon verboten ist, steigt der Zigarettenkonsum unter den Jugendlichen. „Man muss also auch bei den Vorbildern ansetzen“, gab Ulf Fink, Mitglied des Gesundheitsausschusses und ehemaliger Berliner Senator, zu Bedenken.

Nur, was soll man tun, wenn für die Vorbeugung keine Zeit mehr ist, sprich: bei der Angina pectoris oder beim Herzinfarkt? Entdeckt man an sich oder einer anderen Person erste Anzeichen eines Herzinfarktes – vor allem starke, über Minuten andauernde Schmerzen in der Brust, die in weitere Körperteile ausstrahlen –, dann gibt es nur eine Lösung: 112. Unter dieser Telefonnummer erreicht man nun europaweit eine Notrufzentrale, die die Rettungskräfte informiert. Denn im Falle eines Herzinfarktes ist Eile geboten: „Jede Sekunde, die ein Patient früher behandelt wird, hilft, die Auswirkungen des Infarktes zu verbessern“, sagt Hans-Georg Faust, Arzt und Mitglied des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags. Rund die Hälfte der Patienten stirbt am Infarkt, ein Großteil davon bereits in den ersten Stunden (siehe auch nebenstehenden Bericht). Es habe keinen Sinn, bei einem Infarkt zu warten, ob sich die Situation von alleine bessere. Der Kardiologe Fleck dazu: „Es ist uns lieber, die Leute kommen zu früh mit Schmerzen zu uns, als zu spät.“

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