Gesundheit : Eugen Goldstein: Entdecker der Kanalstrahlen

Dieter Hoffmann

"Nun werde ich gefeiert, nur weil ich 80 Jahre alt geworden bin." Diese sarkastische Bemerkung des Berliner Physikers Eugen Goldstein macht in aller Schärfe die Tragik seines reichen Forscherlebens deutlich. Goldstein konnte zwar auf bedeutende Leistungen zurückblicken, doch hat er lange Zeit kaum eine entsprechende gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Grund dafür war weniger die etwas eigenwillige Personlichkeit Eugen Goldsteins, vielmehr spiegeln sich darin jene Probleme wider, mit denen sich ein jüdischer Gelehrter im wilhelminischen Deutschland auseinanderzusetzen hatte.

Goldstein wurde vor 150 Jahren, am 5. September 1850, in Gleiwitz geboren. Viele Jahre standen ihm weder ein eigenes Labor noch ausreichende Forschungsmittel zur Verfügung, so dass er immer wieder das Gastrecht in den Instituten seines Lehrers Hermann von Helmholtz in Anspruch nehmen musste. Erst kurz vor seinem 50. Lebensjahr konnte er ein eigenes Laboratorium in einem Schöneberger Hinterhof beziehen. Nachdem ihn Royal Society und Pariser Akademie mit Preisen bedacht hatten, zeichnete man 1919 den Gelehrten auch in seiner Heimat mit der Ehrenmitgliedschaft der Physikalischen Gesellschaft aus; für einen Forscher seines Formats nicht eben viel. Eugen Goldstein ist in die Geschichte der Physik durch eine Reihe grundlegender Entdeckungen eingegangen - an erster Stelle die der Kanalstrahlen. Sie bestehen aus positiv geladenen Ionen und spielen heute in Atom- und Kernphysik eine wichtige Rolle. Zudem bilden Goldsteins fundamentale Untersuchungen zu den von ihm benannten Kathodenstrahlen nicht nur eine wichtige Vorleistung für die Entdeckung des Elektrons. Sie begründeten durch den Nachweis der elektrostatischen Ablenkung der Kathodenstrahlen eine Forschungsrichtung, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur Entwicklung der Elektronenmikroskopie geführt hat.

Schon im Jahre 1889 baute Goldstein auch das Physikkabinett der neugegründeten "Urania" in Berlin auf. Die dabei realisierte Idee automatisierter physikalischer Versuche, die von Laien selbst auszuführen waren, ist später von vielen technischen Museen in aller Welt übernommen und weiterentwickelt worden. Eugen Goldstein starb kurz nach Vollendung seines 80. Geburtstags am 25. Dezember 1930 in Berlin. Er fand in der Ehrenreihe des Jüdischen Friedhofs in Weissensee seine letzte Ruhestätte.

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