Gesundheit : Europa-Universität Viadrina: Ohne Exzellenz kein Überleben

U. S.

Die Viadrina habe angesichts der bevorstehenden Osterweiterung der Europäischen Union nur dann eine Chance, wenn sie exzellent wird. Als durchschnittliche Universität "wird sie langsam eingehen." Das erklärte Gesine Schwan auf einer gemeinsamen Sitzung des derzeitigen Akademischen Senats und des Gründungssenats von 1991 aus Anlass der Jubiläumsfeier der Europa-Universität. Die Viadrina-Präsidentin hat Grund genug für diese Warnung, denn warum sollten künftig polnische, ukrainische oder russische Studenten nicht gleich an die Humboldt-Universität in Berlin gehen, wenn sie ein breites Spitzenangebot suchen?

Die Viadrina kommt über ihre drei bestehenden Fakultäten für Recht, Wirtschaft und Kulturwissenschaften nicht hinaus. Der Versuch, eine vierte Fakultät für Informatik und Mathematik aufzubauen, wird wohl im Virtuellen enden, nicht jedoch in einer ordentlichen Ausstattung mit zehn Professuren, obwohl in Frankfurt/Oder eine Chipfabrik errichtet wird und sich von daher eine Ausbildung von Computerfachleuten an der Viadrina geradezu anbietet. Bisher ist Gesine Schwan daran gescheitert, die für die neue Fakultät erforderlichen Millionengelder aus dem Landeshaushalt von Brandenburg oder aus der Wirtschaft zu bekommen.

Die Viadrina braucht eine bessere Finanzierung als bisher - wenn sie ihre zu knapp besetzten Fakultäten ausbauen und ihrer Aufgabe einer Europa-Universität der Vielsprachigkeit gerecht werden will. Die Internationalität übersteigt die Möglichkeiten des Landes Brandenburg. Wegen des internationalen Charakters bemüht sich Gesine Schwan, Gelder aus dem Bundeswissenschaftsministerium zu bekommen. Aber es hat sich als unmöglich erwiesen, über die Finanzierung von Projekten hinaus eine dauerhafte Unterstützung durch den Bund zu erreichen. Jetzt hofft sie auf die EU: Von daher bemüht sich die Viadrina, über die deutsch-polnische Ausrichtung hinaus eine enge Kooperation mit Frankreich zu erreichen und sich noch stärker als bisher in Richtung Ukraine und Weißrussland zu orientieren. Immerhin ist ein gemeinsamer Bachelorstudiengang mit Paris in Vorbereitung. Außerdem wurde eine Forschungskooperation, verbunden mit einem Studentenaustausch, mit der amerikanischen Spitzenuniversität in Berkeley vereinbart.

Trotz unbestreitbarer Erfolge - die Viadrina wirbt mit ihren 51 Professoren und einem Staatszuschuss von 33 Millionen Mark 22 Millionen Mark an Drittmitteln ein - sind die Warnsignale unübersehbar. Deswegen hat bei dem Festakt am Sonntag der Vorgänger von Gesine Schwan, Professor Hans Weiler, deutliche Worte an Brandenburgs Ministerpräsidenten Manfred Stolpe gerichtet. Weiler, der von 1993 bis 1999 Rektor der Viadrina war, kritisierte, die Politiker schmückten sich gerne mit der Viadrina. Stolpe habe 1991 anlässlich der Gründung erklärt: Mit der Viadrina werde ein Signal für Wissenschaft und Forschung gesetzt in dem Sinne, dass Aufgaben der Wissenschaft und Kultur in Brandenburg "nicht zweitrangig, sondern vorrangig" seien. Dies heute nachzulesen, "hinterlässt einen bitteren Geschmack". Nach wie vor sei Brandenburg in Deutschland hinsichtlich der Aufwendungen für die Wissenschaft das Schlusslicht. Das Land unterziehe die "interessanteste und hochschulpolitisch mutigste Neugründung der letzen zehn Jahre einer Abmagerungskur". Dass die Viadrina "nun am Ende doch nicht mehr als provinzielles Mittelmaß werden soll, das darf nicht sein."

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