Gesundheit : Europas neue Elite

Die EU investiert immer stärker in die Forschung. Das Geld fließt vor allem an Naturwissenschaftler

Tilmann Warnecke

In Deutschland blickt die Forschungsszene gespannt auf die zweite Runde des Elitewettbewerbs. Doch ähnlich wichtig ist, was derzeit in Brüssel geschieht. Die EU hat ein ehrgeiziges Ziel verkündet: Nachdem die europäische Forschungsförderung lange stagnierte, soll sie ab 2007 deutlich ausgebaut werden. Davon könnten Deutschlands Wissenschaftler stark profitieren, schließlich sind sie an 80 Prozent der EU-Forschungsvorhaben beteiligt. Jetzt steht endgültig fest, wie das Geld in den nächsten Jahren verteilt wird; Mitte Dezember wird der Etat verabschiedet. Hier ein Überblick, was die EU vorhat.

ETAT

Um die Forschungsausgaben wurde im Vorfeld heftig gerungen. Denn die Investitionen in die Forschung steigen zwar – aber bei weitem nicht so massiv, wie EU-Forschungskommissar Janez Potocnik gehofft hatte. Er wollte insgesamt 65 Milliarden Euro für die Jahre bis 2013 haben. Jetzt will die EU 54 Milliarden Euro für ihr siebtes Forschungsrahmenprogramm ausgeben. Damit steige das jährliche Forschungsbudget im Vergleich zu den Vorjahren immer noch um 40 Prozent, sagt Peter Fisch aus der EU-Forschungskommission.

Mehr als zwei Drittel der Mittel sollen an große Forschungsverbünde fließen, an denen mehrere Nationen beteiligt sind – manchmal bis zu sieben. Am meisten Geld, nämlich 9 Milliarden Euro, sollen IT-Projekte bekommen. Schwerpunkte sind auch die Gesundheitsforschung und die Nanotechnologie. Die „armen Kirchenmäuse“ seien die Geistes- und Sozialwissenschaften mit nur 610 Millionen Euro, meint Fisch. Das EU-Forschungsprogramm reiche allein aber nicht aus, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen, bis 2010 europaweit drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Forschung auszugeben. „Vor allem die Wirtschaft muss sich noch mehr engagieren “, sagt Fisch. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Japan sei der Anteil von Unternehmen an den Forschungsausgaben vergleichsweise gering.

EUROPÄISCHER FORSCHUNGSRAT

Eine Art europäische „Super-DFG“ soll im Januar in Brüssel ihre Arbeit aufnehmen: der Europäische Forschungsrat, der im Jahr eine Milliarde Euro an ausgewählte Forschungsvorhaben verteilen kann. Die Projekte sollen „rein nach Exzellenzkriterien“ gefördert werden, sagt Fisch – ein Novum in der EU-Forschungsförderung. Anders als im deutschen Elitewettbewerb, bei dem vor allem große fächerübergreifende Forschungsverbünde ausgezeichnet werden, sollen kleinere Teams und „im Extremfall sogar einzelne Forscher“ ausgewählt werden, sagt Fisch. Die Unis könnten bereits im Dezember erste Anträge stellen. Fisch erwartet, dass bis zu 200 Millionen Euro im Jahr nach Deutschland gehen könnten. Neuer Forschungsrats-Chef wird der bisherige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker. Für die Auswahl der Projekte sorgen 22 Wissenschaftler im „Scientific Council“ des Forschungsrats.

EUROPEAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY

Das „EIT“ ist das Prestigevorhaben von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Sein Traum: Ein großes Eliteinstitut in direkter Konkurrenz zum weltberühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA. Eigentlich sollte es schon längst gegründet sein, doch noch stecken die Mitgliedstaaten in zähen Verhandlungen. Nach den bisherigen Vorschlägen aus der EU-Kommission wird Barroso seinen Plan wohl kaum verwirklichen können. Vorgesehen ist derzeit vielmehr, das EIT zu einem lockeren Dachverband zu machen, in dem etwa 60 Verwaltungsbeamte arbeiten. Diese würden die Kooperation ausgewählter Unis und Institute koordinieren, die im Rahmen des EIT mit mehr Geld für Forschung und Lehre rechnen können. Frühestens 2008 wird das EIT an den Start gehen, heißt es in Brüssel. Von 2008 bis 2013 sind 2,4 Milliarden Euro veranschlagt. Aus welchem Etat das Geld kommen soll, ist allerdings völlig unklar.

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