• European College of Liberal Arts: Vorbilder sind die amerikanischen Universitäten Stanford und Harvard - Firmen als Geldgeber gesucht

Gesundheit : European College of Liberal Arts: Vorbilder sind die amerikanischen Universitäten Stanford und Harvard - Firmen als Geldgeber gesucht

Katharina Voss

Stephan Gutzeit ist ein freundlicher und geduldiger Mann. Umso überraschender sind die kämpferischen Töne, mit denen er und seine Vorstandskollegen für ihr Gründungsprojekt werben. "Wir haben genug von der Stagnation, der Bürokratie und den halbherzigen Reformen an den deutschen und europäischen Universitäten", heisst es in der Broschüre des zukünftigen European College of Liberal Arts (ECLA), das am Rande von Berlin entstehen soll.

Gutzeit und seine Kollegen Anne Sliwka und Olaf Armblank haben große Ambitionen: Auf einem alten Gutshof in Buch wollen die drei, die sich beim Wirtschaftsberatungsunternehmen McKinsey kennenlernten, das alte humanistische Bildungsideal neu beleben. Kleine Lerngruppen, Studenten und Dozenten aus der ganzen Welt und intensive philosophische Diskussionen sollen eine neue Studienkultur begründen. Ziel ist der "flexible Generalist", der nicht nur hochqualifiziert ist, sondern als Privat- wie auch als Geschäftsmann intellektuellen Anspruch mit sozialer Verantwortung verbindet.

Alle drei zukünftigen Gründer haben im Ausland studiert - jetzt wollen sie mit ihrem College den Vorbildern wie Stanford und Harvard nacheifern. Die laufenden Kosten sollen durch Studiengebühren und Sponsoren zusammenkommen. Die werden vorwiegend in der Wirtschaft gesucht. Einige renommierte Mitstreiter haben sich bereits gefunden: Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, begeistert die Vorstellung, "dass in Deutschland ein neues Bildungsideal auf den Weg gebracht wird". Seine Kritik an den deutschen Universitäten ist vernichtend: Sie seien ihres kulturellen Kontextes beraubt, ein echter philosophischer Diskurs sei an den Massenuniversitäten nicht möglich. Negative Folgen macht Walter nicht nur im Berufsleben, sondern auch in der persönlichen Lebensplanung aus: Es gebe in deutschen Unternehmen "zu viele Schmalspurmenschen".

Bereits seit der Gründung des Förderkuratoriums ist Debis-Vorstand Norbert Bensel Mitglied. Als eine Kritik am deutschen Hochschulwesen will Sprecherin Katharina Heuer dieses Engagement allerdings nicht verstanden wissen. "Deutschland braucht Vielfalt im Hochschulwesen - und da hat eine Initiative wie ECLA ihren ganz eigenen Platz." Bereit für das 21. Jahrhundert sind die deutschen Hochschulen allerdings auch für Heuer noch nicht. Zu unterschiedlich sei die Qualität der Hochschulabsolventen, die auf den Arbeitsmarkt drängen: "Wir erleben, dass es einen Teil sehr guter Absolventen gibt, um die sich die Unternehmen reißen - und daneben solche, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben." Bei Debis ist man vor allem von der internationalen Ausrichtung des College überzeugt: "Nur wer über den eigenen Tellerrand gucken kann, wird sich im Wirtschaftsleben behaupten."

Ob und mit welchen Beträgen sich deutsche Firmen an dem neuen College beteiligen werden, steht allerdings noch in den Sternen. Auch von der Deutschen Bank hat es bis jetzt noch keine Zusagen gegeben. Chefökonom Walter investiert bis jetzt vor allem seine Freizeit in das Projekt. "Konkrete Zusagen, zum Beispiel für die Übernahme von Stipendien, haben wir bislang kaum", sagt Stephan Gutzeit. Im September soll eine neue Fundraising-Kampagne gestartet werden. Dann, so hofft er, wird das Referenzprojekt des ECLA erfolgreich beendet sein: Das "Great Books Program", ein siebenwöchiger Intensivkurs rund um die deutschen Klassiker. "Den Kurs würde ich am liebsten selber belegen", schwärmt Norbert Walter, der die Teilnehmer in die Welt von Adam Smith einführen wird. Daneben stehen vor allem Nicht-Ökonomen wie Voltaire, Darwin, Nietzsche und Einstein auf dem Programm.

Bis jetzt, so scheint es, wird die ECLA-Sommeruniversität ein Erfolg. Angemeldet haben sich für die 130 Plätze rund 260 Teilnehmer - und das, obwohl für das gesamte Programm rund viertausend Mark gezahlt werden müssen. Unterstützung für das ECLA-Pilotprojekt hat es auch vom Stiftungsverband und wirtschaftsnahen Stiftungen gegeben. "Die Finanzierung der Sommer-Universität ist ausgesprochen gut gelaufen - wir hoffen, dass das auch für das College gelten wird", sagt Gutzeit.

Einen besonders schwierigen Verhandlungspartner muss das Vorstandsteam von ECLA aber noch überzeugen: Den Berliner Senat. Ihm gehören Gebäude und Grundstück der Anlage in Buch. Und auf seine Unterstützung sind die College-Gründer angewiesen, um das Geld für die Restaurierung des Gebäudes zusammen zu bekommen. Insgesamt rund 30 Millionen Mark hat Stephan Gutzeit bei dem Efre-Fonds (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) der Europäischen Union beantragt. Viel Geld, wie Gutzeit zugibt. "Aber der Hof ist in einem verheerenden Zustand - wir brauchen diese Summe." Nun hat der Efre-Fonds seine eigenen Regeln: Die EU-Mittel gibt es nur, wenn der Berliner Senat mitspielt. "Kofinanzierung" lautet die Bedingung aus Brüssel. Berlin müsste sich also mit der Hälfte des Förderbetrages an der Restaurierung beteiligen.

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