Gesundheit : Evergreen: Studis bei Oskar und Helene?

Uwe Schlicht

Werden die Studenten, die bisher in der idyllischen Umgebung des Studentendorfs Schlachtensee untergebracht waren, eines Tages in das Oskar-Helene-Heim nach Dahlem umziehen? Diese Frage ist die neueste Variante eines Evergreens der Berliner Hochschulpolitik. Das Oskar-Helene-Heim ist ein alter und im höchsten Maße sanierungsbedürftiger Klinikbau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Würde man dieses Haus für den weiteren Krankenhausbetrieb erneuern, wären etwa 40 Millionen Mark erforderlich. Das Land Berlin muss sparen und deswegen sind alle Pläne, die der Bezirk Zehlendorf und die CDU sogar noch mit einem großzügigen Ausbau des Oskar-Helene-Heims zu einem modernen Krankenhaus unter Mitnutzung des FU-Klinikums einst verfolgt hatten, vom Tisch. Vielleicht wird es jetzt ein Studentenwohnheim.

Dies ist jedoch wiederum eine andere Berliner Haushaltsgeschichte und nicht minder verworren als die erste. Da Berlin sparen muss und zugleich Neues bauen will, denken die Politiker an Grundstücksverkäufe. Da ist in der vergangenen Legislaturperiode Folgendes eingetütet worden: Die Berlinische Galerie musste wegen der Aufgabe des bisherigen Standortes im Berlin-Museum untergebracht werden - als neuer Standort war die ehemalige Schultheißbrauerei am Kreuzberg vorgesehen und dort wird jetzt auch gebaut. Aber die Kosten von 23 Millionen Mark mussten irgendwo herkommen und da hatte der frühere Wissenschafts- und Kultursenator Peter Radunski die Idee, das Studentendorf der FU in Schlachtensee abreißen zu lassen und das Grundstück zu verkaufen. Je mehr abgerissen wird, desto günstiger der Verkaufserlös.

Nun steht aber das Studentendorf, weil es einmal einer großzügigen Spende der Amerikaner zu verdanken war, zumindest teilweise unter Denkmalschutz - es gehörte zum Ausbauprogramm der Freien Universität in den fünfziger Jahren. Das Studentendorf ist heruntergekommen und bedürfte einer Grundsanierung - deswegen soll es jetzt bis auf einer erhaltenswerten Kern abgerissen werden. Wohin also mit den dort wohnenden Studenten?

Kein Wunder, dass besonders die Abgeordneten der Opposition von PDS und Bündnis/Grünen gestern im Wissenschaftsausschuss die kritische Frage aufwarfen, was denn unter dem Strich an Ersparnissen herauskommen würde, wenn man auf der einen Seite 23 Millionen Mark durch Verkauf gewinnen will und auf der anderen Seite das Oskar-Helene-Heim für 40 Millionen Mark sanieren müsste. Der Wissenschaftssenator blieb die Antwort schuldig, weil die Idee mit dem Oskar-Helene-Heim ganz neu ist. Aber, das versicherte Senator Christoph Stölzl, eine Sanierung des Gebäudetraktes für die Studenten wäre wohl billiger als eine Krankenhaussanierung. Einzelheiten werden die Abgeordneten wohl erst im weiteren Verlauf der Haushaltsberatungen erfahren, spätestens jedoch im Januar 2001, wenn ein Bericht vorliegt.

Die Koalitionsparteien wollen einen Mindestbedarf an Studentenwohnheimen in Berlin langfristig garantieren: Grundsätzlich sollen zehn Prozent der Berliner Studierenden in Studentenwohnheimen unterkommen können. Es gibt zwar viele freistehende Wohnungen in Plattenbauten in Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf, aber ob Ausländer dort auch vor fremdenfeindlichen Attacken sicher sind, kann man nicht garantieren. Besonders für Ausländer und Studienanfänger, die zum ersten Mal nach Berlin kommen, ist es wichtig, in Universitätsnähe untergebracht zu sein. Da böte sich das Oskar-Helene-Heim in direkter Nachbarschaft zur FU als Lösung an.

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