Gesundheit : EWI mit Ewers

HEIKO SCHWARZBURGER

TU-Sitzungsmarathon endet mit Überraschung: Die Lehrerbildung wird doch aufrechterhaltenVON HEIKO SCHWARZBURGERErst knallten die Neuigkeiten, dann die Sektkorken: Nach zweitägigem Sitzungsmarathon entschied sich der Akademische Senat der TU am späten Donnerstagabend überraschend, die Erziehungswissenschaften und die Lehrerausbildung an der Universität zu halten.Lediglich die Ausbildung der Grundschullehrer, der Sozialpädagogen und der Biologielehrer wird eingestellt.In den Fächern Geschichte, Arbeitslehre, Deutsch, Französisch, Physik, Chemie und Sozialkunde bietet die TU auch künftig Lehramtsstudiengänge an.Gleiches gilt für die Studienräte mit technischer Fachrichtung für die Berufsschulen. "Dieser Kompromiß ist ein Befreiungsschlag", kommentierte TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers die Entscheidung.Sichtlich gelöst lud er alle Fraktionen zur Stehparty in den Senatssaal."Hoffentlich geht diese konstruktive Zusammenarbeit weiter." An den Erziehungswissenschaften hatte sich im letzten Sommer der offene Krieg zwischen den Konservativen und den Reformern innerhalb der TU entzündet, ihretwegen waren die Studenten auf die Straße gegangen und hatten die Sitzungen des Akademischen Senats gesprengt.Noch zu Beginn der jüngsten Sitzung hatten einige Studenten auf Spruchbändern ("EWI statt Ewers") den scheinbar aussichtslosen Erhalt der Pädagogik eingefordert.Jetzt wurden dem Institut 14 Professuren eingeräumt.Drei weitere Lehrstühle sind im Austausch gegen sechs akademische Mitarbeiter möglich. "Dieses Ergebnis sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge", erklärte Ulf-Werner Preuss-Lausitz, Exponent der TU-Erziehungswissenschaften."Der Verlust der Grundschullehrer und Sozialpädagogen ist bitter, aber wir können damit leben." Auch Kurt Kutzler, Sprecher der konservativen Mehrheit und bis dato erbitterter Gegner der Erziehungswissenschaften, konstatierte erleichtert: "Wir haben endlich einen Anfang für Gemeinsamkeiten gefunden." Neben dieser überraschenden Wendung bestätigte der Akademische Senat die Neuordnung der Fakultäten auf der Grundlage seines Beschlusses vom Januar.Demnach hat die TU in Zukunft acht Fakultäten.Ihr Grundprinzip ist die Zusammenlegung von Fächern, die innerhalb von Studiengängen ohnehin kooperieren.Allerdings verständigten sich die Fraktionen darauf, die Zuordnung der Fächer auf der ersten Senatssitzung im Wintersemester 1998/99 noch einmal zu überprüfen. Strittig sind zur Zeit noch die Bauingenieure, die sich vor der Ehe mit den Architekten zieren.Die Geowissenschaften, bislang noch mit den Bauingenieuren verlobt, liebäugeln mit den Planungswissenschaften, die eine eigene Fakultät bilden.Die Chemiker gehören künftig zum naturwissenschaftlichen Großbereich, Teile streben aber zur Verfahrenstechnik. Insgesamt zielt die Planung "auf 16 500 bis 16 700 Studienplätze", sagte Hans-Jürgen Ewers."Damit bleiben wir deutlich unter der Vorgabe von 18 500 Studenten.Mehr können wir nicht finanzieren." Auch mit den Lehramtsstudenten betrage das Defizit mindestens 1500 Studenten.Zur Zeit hat die TU noch 2660 künftige Lehrer.Ihre Zahl hängt im weiteren davon ab, inwieweit das Institut für Erziehungswissenschaften als Nadelöhr dieser Studiengänge von den drei zusätzlichen Professuren Gebrauch macht. Offen ist in diesem Zusammenhang auch noch, welchen Anteil die Freie Universität und die Humboldt-Universität an den Studiengängen übernehmen, in Form von zwischenuniversitärem Service.Das Ende der Sozialpädagogik an der TU dürfte die FU zur Ausweitung ihrer Kapazitäten zwingen, da sie künftig die alleinige Ausbildungsstätte sein wird.Bezüglich der Studentenzahlen planen alle Berliner Unis unter ihrem Soll.Damit wird die vom Wissenschaftsrat empfohlene Mindestzahl von 85 000 Studienplätzen in der Stadt um etwa 8000 bis 10 000 Plätze unterschritten. Für die Ausstattung mit wissenschaftlichen Mitarbeitern hingegen folgte der Akademische Senat der TU der Empfehlung des Wissenschaftsrates.Als Grundausstattung bekommt in den Geisteswissenschaften jeder Professor einen Mitarbeiter und in den Planungs- und Sozialwissenschaften eineinhalb.Die Naturwissenschaftler und Ingenieure erhalten zwei Mitarbeiter pro Professor.Auf diese Weise wurden 45 Prozent der rund eintausend wissenschaftlichen Mitarbeiter auf die 320 Professuren verteilt.Weitere fünf Prozent stehen den NC-Fächern als Reserve zur Verfügung, falls die Gerichte die Studentenzahlen heraufsetzen.Mit einem Viertel aller akademischen Mitarbeiter will die TU ausgezeichnete Lehrleistungen honorieren.Ein Viertel dient der Förderung der Forschung.Die Kriterien zur Vergabe der begehrten Stellen-Bonbons stehen gleichfalls im nächsten Wintersemester zur Überprüfung. Mit der Einführung der neuen Fakultäten rechnet die TU-Leitung nicht vor Ende 1999."Jetzt stehen erst einmal die Reform der Studiengänge, der Forschungsschwerpunkte und der Verwaltung sowie die Budgetierung der Fachbereiche an", sagte Hans-Jürgen Ewers.Er stellte die externe Evaluation von Studiengängen in Aussicht, um "Dünnbrettbohrern den Wind aus den Segeln zu nehmen".Anstatt alle Lehrleistungen aus dem eigenen Institut zu holen, forderte er, verstärkt Serviceleistungen anderer Lehrstühle und Labors in Anspruch zu nehmen.

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