Gesundheit : Examen? Ist doch ein Spiel!

PETER HERGERSBERG

Prüfungsängste und wie man sie überwindet: Die FU bietet Workshops anVON PETER HERGERSBERGHauptfachprüfung Anglistik in drei Tagen, in vier Themenfeldern wird der Prüfer bohren, doch die Kandidatin knabbert immer noch am zweiten der Lernblöcke.Sie starrt Löcher in die Bleiwüste des aufgeschlagenen Lehrbuchs: Der Inhalt will sich partout nicht im Bewußtsein abbilden lassen."Ich habe mich immer heillos verzettelt in einem Pensum, das ich einfach nicht bewältigen konnte", erzählt Anette Moos über zurückliegende Prüfungsphasen.Seitdem sie an dem Workshop "Examensvorbereitung - Prüfungsängste bewältigen" teilnahm, plant sie souveräner.Jetzt steckt sie mitten im Nordamerikanistik-Examen. Wie ihr geht es vielen: In den jetzt anbrechenden Semesterferien werden sie sich nicht erholen, sondern auf Prüfungen vorbereiten.Sich im Zeitplan zu verhaspeln, beim Lernen zu verkrampfen, sind Symptome von Prüfungsangst - aber die harmloseren, die jeder kennt.Kommt die Furcht ganz dicke, bringt sie Magenschmerzen und Schlaflosigkeit mit, oder sie überwältigt den Prüfling, während er dem Professor oder der Professorin ausgeliefert ist: die Totalblockade, der Blackout löscht das Licht der Eingebung. Gegen die Hemmung in Prüfung und Vorbereitungsphase bietet Helga Knigge-Illner, die Studierende der FU psychologisch berät, eine Therapie in fünf Sitzungen an.Im der ersten Runde erzählen die Teilnehmer von ihrer Angst."Haben sich die Teilnehmer erst einmal bewußt gemacht, welche Gedanken zu der Angst führen, haben sie das Schreckgespenst schon fast besiegt", sagt die Psychologin. Um die Vorstellungen der Studierenden von Prüfungen ans Licht zu holen, läßt Helga Knigge-Illner sie den Spuk malen.Die Kursteilnehmer stellen oft ein überhöht sitzendes Prüfungstribunal dar, das den in sich gesunkenen Prüfling von oben zerpflückt."Die Rolle des Prüfers beurteilen Studierende meistens falsch", stellt die Kursleiterin fest.Auch der Prüfer sei angespannt, weil von ihm Kompetenz und Gerechtigkeit erwartet würden.Nur sehr selten will er dem Prüfling schaden, wie Helga Knigge-Illner betont. Nach der Analyse eignen sich die Kursteilnehmer in Rollenspielen verschiedene Verhaltensweisen an.Sie versetzen sich in Prüfungskandidaten und Professoren und inszenieren das Examen mit bösem und mit gutem Ende."Ich habe erkannt, wie sehr eine Prüfung einem Schauspiel gleicht", erzählt Anette Moos.Ein Schauspiel aber weêke keine Ängste."Das hat die Prüfung entmystifiziert", lobt die Anglistin. "Gleichzeitig üben die Teinehmer in dem Spiel auch ihre Fähigkeit, ihr Wissen vernünftig in Worte zu fassen", erklärt Helga Knigge-Illner.Denn um sich in Prüfungen zu bewähren, muß sich ein Prüfling auch vorteilhaft präsentieren.Knigge-Illner empfiehlt, aktiv aufzutreten, auf Fragen nicht einsilbig zu antworten.Eine Prüfung als wissenschaftliches Gespräch zu gestalten, bringt Freiheit.Der Student kann nachfragen oder, wennn der Groschen gerade mal nicht fällt, eine Frage aufschieben.Den abschließenden Test, wie gut ein Teilnehmer ihre Anregungen beherzigt, nimmt die Psychologin selbst vor."Ich arbeite mich in das Thema des Teilnehmers oder der Teilnehmerin ein, damit ich auch hintergründige Fragen stellen kann.Um den Prüfungstisch sitzen die anderen Studenten, und eine Videokamera läuft mit.Anschließend analysieren wir die Prüfung." Auch indem sie die Studis zu gründlicher und realistischer Planung anleitet, verschafft Knigge-Illner ihnen zusätzliche Sicherheit für die Prüfung."Seit dem Workshop führe ich in einer Tabelle auf, wieviel Zeit ich dem Essen, Einkaufen, dem Haushalt einräumen muß", erklärt Ute Siebert, die im Hauptfach europäische Ethnologie an der HU studiert.Auch für Entspannung und Sport müsse ein ordentliches Quantum vorgesehen sein, fügt ihre ehemalige Kursleiterin hinzu.Verbunden mit einer realistischen Einschätzung, wieviel Zeit einzelne Kapitel des Lernstoffs brauchen, ergibt das einen Plan, der auch einzuhalten ist.Nur wenn ein Kandidat seinen Vorgaben hinterherhinkt, bricht Hektik aus, betont Helga Knigge-Illner. Daß ihre Kurse fruchten, hat die Psychologin in einer Studie bewiesen, die die Barmer Ersatzkasse finanzierte.Seit dem Workshop, so gaben die Befragten an, seien sie weniger besorgt und aufgeregt und selbstbewußter."Sinnvoll wäre es, in den einzelnen Fachbereichen Kurse mit Inhalten anzubieten, die auf die Fächer abgestimmt sind", meint Helga Knigge-Illner.Doch aus ihrem Wunsch wird nichts, weil das Geld fehlt. Anmeldung wieder ab dem 6.Oktober, Infos unter 838 52 42.

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