Gesundheit : Experten erarbeiten Modell für Besoldungsregeln

Professoren sollen künftig bis zu 30 Prozent ihrer bisherigen Bezüge nur noch als befristete Zulagen erhalten. Kriterien dafür sind vor allem ihre Leistung in Lehre und Forschung sowie ausgeübte Ämter, zum Beispiel Dekan oder Rektor. Dies wird die von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) eingesetzte Kommission zur "Reform des Hochschuldienstrechts" vorschlagen. Zugleich sollen Nachwuchs-Professoren künftig schneller als bisher eigenverantwortlich lehren und forschen können.

Universitäts-Professoren sollen danach künftig ein Mindestgehalt von 8300 Mark erhalten, Fachhochschul-Professoren 7000 Mark. Hinzu kommen dann die variablen Zulagen für Leistung, Bedeutung der Stelle und Funktion - je nach Bundesland und Hochschule im Schnitt zwischen 2500 bis 3500 Mark pro Monat.

Die im vorigen Sommer eingesetzte Expertenkommission hatte Ende Februar auf einer Klausurtagung bei Berlin ihre Arbeiten abgeschlossen. Ihr Auftrag bestand darin,einen kostenneutralen Vorschlag für eine leistungsorientierte Professoren-Besoldung zu erarbeiten. Mit ihrem Modell entschied sich die Kommission gegen Forderungen aus den Fachhochschulen nach einer einheitlichen Grundvergütung für alle Professoren. Gleichwohl erhalten die Fachhochschulen durch die neue, nach oben hin offene Besoldungsstruktur die Chance, Top-Fachkräfte aus der Wirtschaft einzustellen. Dazu können die Länder spezielle Fonds einrichten.

Die neuen Besoldungsregeln sollen für alle künftigen Einstellungen von Professoren gelten, ebenso dann, wenn ein Professor den Ruf einer anderen Hochschule annimmt oder erfolgreich Bleibeverhandlungen führt. Den übrigen Professoren soll ein Wahlrecht zwischen altem und neuem Recht eingeräumt werden. In den nächsten sieben bis acht Jahren geht aus Altersgründen fast jeder zweite deutsche Professor in Pension. Durch die Neubesetzung vieler Lehrstühle erhofft sich die Kommission eine zügige Einführung der neuen Vergütungsregeln.

Zugleich sollen junge Wissenschaftler künftig mit Hilfe von "Junior-Professuren" schneller als bisher Professor werden. Diese auf sechs Jahre befristeten Stellen an Hochschulen und Instituten sollen via Internet international ausgeschrieben werden. Während dieser Zeit sollen sich die Nachwuchs-Wissenschaftler auch um eigene Forschungsmittel bewerben können.

Das bisherige Habilitationsverfahren wird von der Mehrheit der Experten als zu zeitaufwendig angesehen. Verwiesen wird darauf, dass das Durchschnittsalter bei der Erstberufung auf eine Professur heute bei über 40 Jahren liegt. Dennoch empfiehlt die Kommission keine völlige Abschaffung der Habilitation. Es sei aber zu erwarten, dass sich der neue, viele kürzere Weg in den Professorenberuf auf Dauer durchsetzen werde. Die Empfehlungen sollen jetzt noch redaktionell überarbeitet und Anfang Mai vorgestellt werden.

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