Gesundheit : Experten fordern schärfere Gesetze zum Gesundheitsschutz - jeder dritte Deutsche ist betroffen

Carsten Germis

In der Bundesrepublik gibt zwischen 24 und 32 Millionen Menschen, die Allergien haben. Doch für ihren Schutz wird wenig getan. "Das Immissionsschutzrecht, das Arbeitsschutzrecht und das Lebensmittelrecht tragen den Schutzbedürfnissen von Allergikern nicht ausreichend Rechnung", lautet eine der Feststellungen, die der Rat von Sachverständigen Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnisgrüne) in seinem Gutachten "Umwelt und Gesundheit - Risiken richtig einschätzen" mit auf den Weg gibt.

Allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma "sind mit einem hohen Leidensdruck sowie mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität von Betroffenen und ihren Familien verbunden", stellen die Wissenschaftler fest. Für "Allergiker muss mehr getan werden", forderte der Vorsitzende des Rates, Eckard Rehbinder, am Dienstag in Berlin. Es gebe "dringenden Handlungsbedarf".

Was empfehlen die Wissenschaftler? Da die allergen wirkenden Stoffe weitgehend bekannt sind, würde bereits die bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln den Allergikern helfen. Auch Raucher sollen gezwungen werden, mehr Rücksicht zu nehmen. "In Deutschland gibt es bisher keine anspruchsvolle Politik zum Schutz von Nichtrauchern", stellen die Experten fest.

Der Umweltrat ist daher der Auffassung, "dass - bei Wahrung der Rechte von Rauchern - ein substanzieller, auch allergologisch fundierter gesetzlicher Nichtraucherschutz unerlässlich ist". Auch beim Wohnungsbau sollten die Belange der Allergiker stärker berücksichtigt werden. Sorge bereitet den Wissenschaftlern, wieviel Menschen sich sorglos ultravioletten Strahlen aussetzen. "Die Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen ist in den letzten drei Jahrzehnten stark gestiegen", sagte Rehbinder. Hauptursache: Die Menschen bräunen sich länger ungeschützt in der Sonne.

Die Wissenschaftler beobachten "eine Zunahme der Erkrankungen von jährlich sechs bis sieben Prozent". Deswegen wollen sie schon im Kindergarten und in der Schule über "Sonne und Hautkrebs" aufklären. Gerade in der Schule könnten frühzeitig eine Reihe von Irrtümern wie "Sonnenbräune ist ein Ausdruck von Gesundheit" richtiggestellt werden, heißt es in dem Gutachten. Außerdem sollten auf Schulhöfen und Spielplätzen mehr Bäume gepflanzt werden. "Schattenplätze" schaffen, nennen die Wissenschaftler das. Auch vom Besuch von Solarien "aus kosmetischen Gründen" raten sie ab. "Überflüssig", sagen sie.

Als dritten Schwerpunkt widmet sich das Sondergutachten der Lärmbelästigung. Etwa 70 Prozent der Deutschen fühlten sich durch Straßenverkehrslärm belästigt, berichtete Rehbinder. Aus Sicht der Wissenschaftler kann auch subjektiv erlebter körperlicher Stress krank machen. Der Umweltrat beruft sich bei dieser Einschätzung zum Beispiel auf eine Studie aus Berlin. Dort wurde bei großer Belastung durch Verkehrslärm ein Anstieg der Herzinfarkte um 20 Prozent festgestellt.

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