Gesundheit : Exzellente Techniker

Siegreich sind Unis, die auf Wirtschaftsnähe setzen. Andere hatten auch kaum eine Chance

Amory Burchard,Tilmann Warnecke

Universität Karlsruhe (TH), TU München und LMU München – unter den drei deutschen Eliteuniversitäten, die jetzt gekürt wurden, sind zwei technische Hochschulen, die ein dezidiert wirtschaftsnahes Profil haben. Und die Universität München hat starke Schwerpunkte in den anwendungsorientierten Naturwissenschaften und in der Medizin.

Die „wirtschaftliche Relevanz“ der Vorhaben spielte in der Exzellenzinitiative von vornherein eine entscheidende Rolle. „Die Kooperation mit Partnern aus der Industrie ist wünschenswert“, heißt es im Ausschreibungstext. Ein weiteres Auswahlkriterium sei, „Forschungsresultate in praktische Anwendungen umzusetzen“. Durch diese Vorgaben sei eine Vorentscheidung gefallen, sagt der Elitenforscher Michael Hartmann (TU Darmstadt). Universitäten würden bevorzugt, die in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Medizin stark seien. Klaus Landfried, der ehemalige Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, dagegen sagt, dass die Auswahl der Eliteunis und der Forschungscluster (siehe Kasten) zeige, dass Deutschland konsequent auf Zukunftswissenschaften setze. Die Konzentration der inneruniversitären Förderung auf zukunftsträchtige Gebiete habe sich ausgezahlt.

Genau diese Strategien haben die siegreichen Hochschulen verfolgt. Die Technische Universität München , die sich als „unternehmerische Universität“ profilieren will, baute in den letzten zehn Jahren in Garching einen Wissenschafts- und Technikpark auf, der zu den erfolgreichsten in Deutschland zählt. Dort forschen Physiker, Chemiker, Maschinenbauer und Informatiker, Schwerpunkte sind Nanotechnologie, Halbleiterphysik und Materialforschung. In unmittelbarer Nähe der Institute stehen ein neuer Forschungsreaktor, viele Max-Planck-Institute – und zahlreiche kleine und große Firmen, deren Mitarbeiter die Erfindungen der Forscher in Produkte umsetzen. Vor einigen Jahren baute dort der amerikanische Konzern General Electric sein europäisches Forschungszentrum auf. Auch in der Medizintechnik ist die TU stark; sie ist eine der wenigen technischen Unis in Deutschland, die eine Medizin-Fakultät hat.

In fast allen deutschlandweiten Forschungs-Rankings landet die TU vorne. Unipräsident Wolfgang Herrmann wird als einer der profiliertesten Hochschulreformer in Deutschland beschrieben. Seit er vor zehn Jahren sein Amt antrat, arbeite er daran, seiner Uni moderne Managementstrukturen zu verpassen. Laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung wirbt keine Uni so gut um Sponsorengelder von Firmen und Einzelpersonen wie die TU München: Mehr als 100 Millionen Euro in den letzten sechs Jahren, die meisten anderen Hochschulen schafften im gleichen Zeitraum nicht einmal einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der massive Ausbau der Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München wird am deutlichsten auf dem neuen Hightech-Campus in Martinsried-Großhadern. Dort wird seit Anfang der 90er Jahre ein Zentrum für die „interdisziplinäre Spitzenforschung“ aufgebaut. 1994 eröffnete mit dem Gen-Zentrum ein Forschungsbereich, der für die Lebenswissenschaften zentral ist. Es folgten unter anderem die Institute für Chemie und Biologie. Die LMU-Fachbereiche kooperieren mit Max-Planck-Instituten für Biochemie und Neurobiologie sowie dem Forschungszentrum Umwelt und Gesundheit. In Planung ist auch ein Biomedizinisches Zentrum, das medizinische Grundlagenforschung und klinische Forschung verbindet. Ein anderes großes Zukunftsthema wird im Hauptgebäude der LMU in der Innenstadt erforscht – die Nanotechnologie im 1998 gegründeten Zentrum für Nanowissenschaft.

Die Konzentration auf Naturwissenschaften und Medizin geht mit einem Abbau der Geisteswissenschaften einher. So werden seit 2005 ein gutes Dutzend Studiengänge geschlossen, darunter die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und die Philologie des christlichen Orients.

Unbestritten ist die führende Position der LMU München als Forschungsuniversität: In nationalen Forschungsrankings führt sie seit Jahren gemeinsam mit der TU München die Spitzengruppe an.

Auf die Erforschung von Zunkunftstechnologien setzt auch die Universität Karlsruhe (TH). Die älteste technische Hochschule Deutschlands will mit der Eliteförderung ein neues Großinstitut gründen – in Kooperation mit dem Forschungszentrum Karlsruhe. Der Name des neuen Instituts, Karlsruhe Institute of Technology (KIT), soll an das weltberühmte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA erinnern. Am KIT soll vor allem in der Mikro- und Nanotechnologie geforscht werden.

In diesen Bereichen ist Karlsruhe bereits jetzt stark. So steht in Karlsruhe das DFG-Forschungszentrum für funktionelle Nanostrukturen, eines der bisher am besten ausgestatteten Forschungsvorhaben in Deutschland. Die Hochschule ist auch am Schwerpunktprogramm „Elementarteilchenphysik“ des Bundesforschungsministeriums beteiligt. Die Informatik ist ein weiterer Schwerpunkt. So wurde an der Uni 1984 die erste E-Mail in Deutschland empfangen.

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