Gesundheit : Exzellenter Ruf, keine Berufungen FU-Soziologie in der Krise

Susanne Maier

Die Stimmung an Berlins Universitäten ist derzeit frostig wie das Wetter. Übervolle Seminare, unterbesetzte Stellen – davon ist derzeit fast kein Fachbereich verschont. Jetzt begehren die Soziologiestudenten der Freien Universität gegen die „desolate Lage“ an ihrem Institut auf. In einer Resolution, die 150 von ihnen im Protestmarsch vorige Woche dem Präsidialamt übergaben, bemängeln sie neben der Raumnot vor allem zu wenig Lehrpersonal und die schleppende Ausschreibung der vakanten Stellen. „Politische Soziologie“, „Kultursoziologie“ und „Soziologische Theorie“ sind schon nicht mehr besetzt.

Trotzdem sei bislang keine Ausschreibung erfolgt, werfen die Studierenden den Verantwortlichen vor. Auch die Expertenkommission, die das Institut für Soziologie (IfS) vor zwei Wochen positiv evaluiert hat, sieht hier ein Versäumnis. Es schlägt vor, die Stellen zügig mit renommierten, jüngeren Wissenschaftlern zu besetzen und dies als Chance für die Profilbildung zu nutzen. Geschehe dies nicht, sei der „gute bis exzellente“ Ruf des Institutes gefährdet. Auch der stellvertretende Institutsdirektor, Martin Kohli, der seit zwei Jahren mit dem Präsidium um die Neubesetzung ringt, sieht jetzt den „nötigen Ernst und die Entschlossenheit von Seiten der FU“. Die Institutsleitung bemühe sich ihrerseits, das Verfahren noch vor Weihnachten abzuschließen.

FU-Vizepräsidentin Gisela Klann-Delius sieht indes keine Personalkrise: „Wir kommen dem Institut sehr entgegen, indem wir die vier frei werdenden Stellen neu ausschreiben.“ Überlegungen zur Schließung des Instituts bezeichnet sie als „unsinnige Gerüchte“. Im Gutachten ist davon ebenfalls keine Rede, stattdessen wird die internationale Reputation des Instituts hervorgehoben sowie die Tatsache, dass es sich in den vergangenen Jahren zu den drei bundesweit „größten Produzenten“ soziologischer Habilitationen gehörte. Auch sei die FU-Soziologie trotz der Konkurrenz der anderen Berliner Universitäten in jedem Falle erhaltenswert, da die Technische Universität eher einen technikwissenschaftlichen Ansatz pflege und die Humboldt-Universität nur einen mit Politikwissenschaften kombinierten Studiengang anbiete.

Die Studenten vertrauen den Willensbekundungen wenig. Sie befürchten, zwischen den drei parallel bestehenden soziologischen Fakultäten aufgerieben zu werden. Anlass zu dieser Sorge gibt der Umzug in das Gebäude des Osteuropa-Instituts (OEI) in Dahlem, wo ihnen lediglich die oberen anderthalb Stockwerke des ohnehin sehr beengten Gebäudes zugestanden werden. 800 Studierende im Diplomstudiengang und rund 2000 im Nebenfach drängen sich hier in einer Handvoll wohnzimmergroßer Seminarräume. Für die Studierenden sind Ablauf und Inhalte des Studiums kaum mehr planbar, Regelstudienzeiten durch mangelnde Betreuung und Beratung von Prüfungskandidaten kaum einzuhalten, sagt Kohli.

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