Gesundheit : Fachhochschule für Technik und Wirtschaft: Den Beruf fest im Blick

Bärbel Schubert

Jazz erklingt, eine feierliche Atmosphäre ist spürbar: Berlins Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) begrüßt ihre 687 Studienanfänger für dieses Semester. Sie haben die Aufnahme in die meist zulassungsbeschränkten Studiengänge geschafft. Hier sind sie willkommen.

In den Zeiten des Fachkräftemangels gerade in der Computerbranche, in Technik, Ingenieur- und Naturwissenwissenschaften winken vielen FHTW-Studenten gute Berufsaussichten. "Die meisten unserer Absolventen sind sofort nach dem Studium in Lohn und Brot", berichtet FHTW-Präsident Helmut Schmidt und vermerkt stolz, dass seine Hochschule für ihre Reformfreude gerade ausgezeichnet wurde. Die Besten des letzten Absolventenjahrgangs sind ebenfalls eingeladen. Leicht erkennbar: die Studenten in Hemd, Pullover und Jeans auf der einen Seite, Anzüge bei den Absolventen.

"Ich wollte unbedingt an einer Fachhochschule studieren, weil das Studium hier straffer organisiert ist" sagt eine der "Neuen". Sie hat schon eine Ausbildung abgeschlossen und will nun zügig in den Beruf. Betriebswirtschaft hat sie als Studienfach gewählt. Doch neben dem anderen Schwerpunkt, den Ingenieurwissenschaften, kann man hier auch Design und sogar Museumskunde studieren. Die Hoffnung der Studienanfängerin auf einen zügigen Berufseinstieg wird sich wohl erfüllen. Schon am ersten Tag verweist Präsident Schmidt auf die für Ende April geplante Firmenkontaktmesse, auf der Studenten und interessierte Firmen sich begegnen..

Der frühere Berliner Wissenschaftssenator, George Turner, war zur Eröffnungsveranstaltung eingeladen, um den Studenten durch das Dickicht der Hochschulpolitik zu helfen. 100 einschneidende Änderungen der Hochschulgesetze in Bund und Ländern hat Turner in den vergangenen 30 Jahren gezählt. Das heißt, einhundert Mal wurden so zentrale Fragen neu geregelt wie das Bafög, die Studienabschlüsse und -dauer, die Leitungsstruktur der Hochschule und die Besoldungsstruktur der Professoren. Letzteres kommt allerdings erst noch. Dabei haben die Hochschulen in jüngster Zeit zwar mehr Gestaltungsspielräume erhalten. Doch die wachsende Vielfalt hat auch zu mehr Unübersichtlichkeit geführt. Für Studienanfänger ist das oft schwer durchschaubar. Zu den jüngsten Forderungen, Deutschland brauche mehr Akademiker, äußerte sich Turner skeptisch. "Doch wenn das so ist, müssen die Hochschulen auch besser ausgestattet werden. Davon höre ich aber nichts."

In einem neuen Buch hat Turner die aktuellen Hochschulreformen durch ihre Entwicklung seit den 70er Jahren beleuchtet. Von der Öffnung der Hochschulen für eine größere Zahl von Studenten 1977 schlägt der Autor den Bogen bis zu den heutigen Forderungen an die Hochschulen, erneut mehr Studenten auszubilden. Dabei betrachtet Turner, "die Probleme und ihre Behandlung" als "Schlingerkurs". Nachvollzogen wird, welche Positionen sich jeweils gegenüberstanden. Für diese Hintergrundinformation konnte Turner als früherer Wissenschaftssenator und Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz auf reiche eigene Erfahrungen zurückgreifen.

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