Gesundheit : Fachkräfte von A bis Z

Auch in diesem Jahr gibt es neue Ausbildungsberufe – und zu wenig Plätze

Vivien Leue

Was macht eigentlich ein Wasserbauer? Oder eine Fachkraft für Agrarservice? „Die Arbeits- und Berufswelt ist ständig im Wandel und die Ausbildungswege passen sich dem an“, sagt Olaf Möller von der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Jedes Jahr entstehen neue Ausbildungen, um der sich verändernden Berufswelt gerecht zu werden. Die Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen (KEP) ist ein Beispiel hierfür. Dieser Ausbildungsweg existiert erst seit diesem Jahr. Doch wer sich über diese Ausbildung informieren oder sich um einen Platz bewerben möchte, sollte sich beeilen, denn die heiße Phase der Ausbildungsplatzsuche für das Ausbildungsjahr 2005/2006 hat längst begonnen.

Da die Suchenden vor vielen Möglichkeiten stehen, sollten sie dringend eine Berufsberatung besuchen, sagt Möller. Denn so vielfältig die Ausbildungswelt auch klingen mag, die Realität sieht meist trister aus. Einerseits wird es wieder mehr Bewerber als Stellen geben. Andererseits wird nicht jeder neue Ausbildungsweg in Berlin-Brandenburg angeboten. Ein Umzug bleibt dann meist der einzige Ausweg. „In der Berufsberatung werden Wunsch und Realität einander angenähert“, sagt Olaf Möller.

Seine Statistik zeigt, dass Jugendliche ohne Abitur überwiegend zum Einzelhandelskaufmann, Bürokaufmann, Arzthelfer oder Kfz-Mechaniker ausgebildet werden möchten. „Vor allem bei den Kfz-Mechanikern gibt es aber nicht genug Stellen, um die Nachfrage zu decken.“ Eine Alternative wäre das Zweirad: Seit letztem Jahr gibt es den Ausbildungsberuf des Fahrradmonteurs und Zweiradmechanikers – auch in Berlin.

Jugendliche mit Abitur interessieren sich vor allem für kaufmännische Ausbildungen. Gefragt sind diese bei Banken, in der Industrie oder im Groß- und Außenhandel. Daneben stehen die Steuerfachleute und Fachinformatiker bei den Abiturienten hoch im Kurs. Aber auch hier gibt es bei weitem nicht genug Ausbildungsplätze. „Im letzten Monat gab es in Berlin 18 600 Ausbildungssuchende, von denen wir 9600 noch nicht vermitteln konnten“, sagt Möller. In Brandenburg sieht die Lage noch schlechter aus: Von 22 200 Jugendlichen suchen 14 500 immer noch eine Ausbildungsstelle. Diese Zahlen stehen in starkem Kontrast zu den von den Arbeitgebern gemeldeten Ausbildungsstellen. In Berlin sind es gerade einmal 7400, in Brandenburg nur 6400. Jugendliche in Brandenburg sind daher immer mehr bereit, ihre Suche auf das gesamte Gebiet der Bundesrepublik auszuweiten. „Vor allem in Süddeutschland bewerben sich viele Brandenburger Jugendliche“, sagt Möller. Seiner Erfahrung nach kommt ein Großteil von ihnen nach der Ausbildung nicht mehr zurück. Diese Abwanderung von jungen Leuten verstärke die Gefahr der schrittweisen Überalterung des Landes.

Ein Ausbildungsweg, der in Brandenburg vielleicht noch Zukunftschancen hat, ist die Fachkraft für Agrarservice. Seit diesem Jahr lernen Auszubildende in dem Beruf alles über Pflanzenproduktion und den Einsatz von Agrartechnik. Hinzu kommen Aspekte der Kommunikation, Information und Kundenorientierung.

Der Dienstleistungsbereich ist heutzutage in fast allen kundennahen Ausbildungsberufen gefragt. So muss der Wasserbauer neben der Bauüberwachung und -betreuung von Bauwerken in und an Gewässern auch die Kundenkommunikation und Informationsbeschaffung erlernen. Die Pflege und Entwicklung von Gewässern sowie der Hochwasserschutz und die Eisabwehr stehen ebenfalls auf dem Lehrplan. In Berlin – einer der wasserreichsten Städte Deutschlands – könnte das Zukunft haben.

Weiteres im Internet:

www.bundesagentur.de

www.bibb.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben