Gesundheit : Fachschule gibt Studiengang an die Technische Fachhochschule - aus zwei Jahren Ausbildung werden vier Jahre Studium

Heiko Schwarzburger

Die Technische Fachhochschule (TFH) plant einen neuen Studiengang zum Kameramann oder zur Kamerafrau für Fernsehsender und Filmproduktionen. Dazu wird sie fünf Dozenten der Staatlichen Fachschule für Optik und Fototechnik am Einsteinufer als Professoren übernehmen. Mit der Übergabe des Studienganges wird die Fachschule bald ihre Pforten schließen. Vor zwei Jahren hatte die TFH bereits die Augenoptik/Optometrie von der Fachschule übernommen.

An der Fachschule dauerte das Studium zum Kameramann zwei Jahre. Der neue Studiengang an der TFH wird auf vier Jahre aufgewertet. Die Weddinger Fachhochschule kann bereits umfangreiche Erfahrungen in der Druck- und Medientechnik, in der Theatertechnik und in der Medieninformatik vorweisen. "Das entspricht den neuen Anforderungen in einem sich schnell verändernden Berufsfeld, in dem heute digitale Schnittplätze und elektronische Kameras dominieren", erklärte Reinhard Schödl, der Direktor der Fachschule. Er lehrt zugleich als TFH-Professor in der Augenoptik.

"Wir bilden vor allem für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und kleinere Produktionsfirmen aus. Nur ein Bruchteil der Kameraleute kommt in künstlerischen Filmproduktionen unter." Prominentester Absolvent der Fachschule ist Frank Griebe, der für "Lola rennt" die Kamera führte und eine "Goldene Palme" erhielt.

Zur Zeit gehen pro Jahr rund 140 Bewerbungen ein, die Fachschule nimmt aber nur 24 junge Leute auf. Galt an der Fachschule bisher die mittlere Reife als ausreichend, wird die TFH von ihren Bewerbern die Hochschulreife verlangen. "Aber das ist ohnehin gängige Praxis", sagte Peter Wutz, der als Dozent für Einzelbildbearbeitung, digitalen Schnitt und Lichttechnik arbeitet. "Fast alle Studenten haben das Abitur."

Die Bewerber müssen eine Eingangsprüfung bestehen und ein einjähriges Vorpraktikum nachweisen. Viele öffentlich-rechtliche Sender Deutschlands bieten Praktikantenstellen an, darunter das Bayerische Fernsehen, der WDR und der SFB. Nach dem Studium haben die Absolventen angesichts des Booms in der Medienbranche kaum Probleme, unterzukommen. Seit etwa fünf Jahren nehmen auch private Produzenten verstärkt Personal auf.

Höhere Studentenzahlen scheitern an den Kapazitäten. Zwar verfügt die Fachschule über einen eigenen Kinosaal mit variabler Akustik, über ein schwingungsfrei aufgehängtes Fernsehstudio mit Tonstudio und analogen Schnittplätzen, doch seit Jahren fehlen die Investitionen in moderne Technik. Die Technische Fachhochschule müsste zur umfassenden Erneuerung der Gerätetechnik rund eine Million Mark akquirieren. Dafür stellte sie vorerst 160 000 Mark als Eigenanteil bereit, um auf dieser Grundlage Förderanträge an Bund und Land zu stellen. Der Studiengang Kamera verfügt bisher über zwei selbstgebaute, digitale Schnittplätze, die vor allem während der Studienabschlussphase rund um die Uhr ausgelastet sind.

Sony in Köln erklärte sich kürzlich bereit, der TFH eine komplette Anlage zur digitalen Nachbearbeitung, bestehend aus Schnittplatz und magnetischer Aufzeichnung (MAZ), zu stiften. Die Ausbildung zum Kameramann wird auch unter der Regie der TFH, die ihr Stammgelände in Wedding hat, am Charlottenburger Einsteinufer verbleiben. Der neue Studiengang gehört dann zum Fachbereich Maschinenbau der Technischen Fachhochschule, der an chronischem Studentenschwund leidet.

Die Abteilung Kamera an der Fachschule wird letztmalig zum kommenden Herbst Studenten aufnehmen, die bis zum Juli 2001 ihr Fachschulstudium beenden müssen. Danach steht es den Absolventen frei, in einem Ergänzungskurs an die TFH zu wechseln. Die ersten Immatrikulationen an der TFH sind für 2000 geplant. Der Eignungstest wird beibehalten.

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