Gesundheit : Faszination der Pyramiden: Bauen mit Blick auf den Bär

Maunela Röver

Ihr Anblick rief schon früh uneingeschränkte Bewunderung hervor. Vor mehr als 2000 Jahren wurden sie wegen ihrer unglaublichen und einzigartigen Konstruktion auf die Liste der sieben Weltwunder gesetzt. Und auch heute noch ist die Faszination der Pyramiden ungebrochen.

Die Entstehungsgeschichte dieser monumentalen Grabmäler ist nach wie vor rätselhaft. Wie gelang es beispielsweise den Ägyptern, die Pyramiden allesamt nach Norden auszurichten? Kate Spence von der Fakultät für orientalische Studien der Universität von Cambridge in Großbritannien versucht sich in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" (Band 408, Seite 320) an einer Erklärung. Mit einer neuen Methode gelang es ihr zudem, präziser als je zuvor das Alter der berühmten Cheops-Pyramide zu bestimmen.

Die ägyptischen Baumeister richteten die Pyramiden vermutlich aus religösen Gründen in Nordrichtung aus. Zu der im Zentrum des Bauwerks liegenden Grabkammer führt ein Schacht hinunter, der immer von Norden nach Süden verläuft. "Durch diesen Grabschacht wollte der König nach seinem Tod in den nördlichen Himmel gelangen", erklärt Joachim Quack vom Ägyptologischen Seminar der Freien Universität Berlin.

Ohne Kompass ist die Bestimmung der Himmelsrichtung jedoch nicht so einfach. "Wir vermuten, dass man damals Sternbeobachtungen oder den Schattenwurf der Sonne nutzte, um die Nordrichtung festzulegen", sagt Quack. Doch alle bisher in Betracht gezogenen Verfahren erklären nicht, wie es den alten Ägyptern gelang, die Pyramiden so erstaunlich genau auszurichten.

Die britische Forscherin untersuchte nun astronomische Aspekte, die bislang unbeachtet geblieben waren. Zwei hell leuchtende Sterne, Mizar im Sternbild Großer Bär und Kochab im Kleinen Bären, bilden eine Linie, die senkrecht auf dem Horizont liegt. Spence vermutet, dass die alten Ägypter nach dieser Sternenkonstellation die Nordrichtung bestimmten. Im Jahr 2467 vor Christus wies die Verbindunglinie der beiden Sterne genau nach Norden. Da die Cheops-Pyramide von allen Pyramiden am exaktesten nach Norden ausgerichtet ist, könnte ihr Bau in diesem Jahr begonnen haben, vielleicht fünf Jahre früher oder später. Bislang konnten die Forscher den Baubeginn nur mit einer Unsicherheit von etwa 100 Jahre abschätzen.

Wie die Ägyptologin feststellte, weichen alle anderen Pyramiden stärker von der angestrebten Idealrichtung ab. Der Fehler wird umso größer, je später der Bau begann. Alle Pyramiden, die älter sind als Cheops, haben mit steigendem Alter einen Fehler in Westrichtung, alle jüngeren einen Fehler in Ostrichtung. Die Abweichungen kommen zu Stande, weil die Erdachse nicht starr in den Himmel weist, sondern im Laufe von 26 000 Jahren einen Kreis beschreibt. Wegen dieser Bewegung kreisen die Fixsterne scheinbar um den Nordpol. Spence zufolge entsprechen die Fehler beim Ausrichten der Pyramiden der scheinbaren Wanderung von Mizar und Kochab am Firmament.

Ob die Ägypter tatsächlich die Sterne im Großen und Kleinen Bären für ihre Berechnungen nutzten, bleibt dennoch Spekulation. "Das Problem ist, dass es keinerlei Orginalquellen gibt, die darüber Aufschluss geben, wie die Ägypter es wirklich geschafft haben. Das macht das ganze immer wieder zu einem Ratespiel", meint Joachim Quack.

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