Gesundheit : Fehlende Lehrkräfte: Weiterer Pädagogenmangel absehbar

Die Kultusminister der Länder geraten wegen des hohen Unterrichtsausfalls und des sich abzeichnenden Lehrermangels zunehmend unter Druck. Die drei großen Lehrerorganisationen, der Philologenverband, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE), forderten am Wochenende Sofortprogramme und die Rücknahme der Gehaltskürzungen bei den Lehramtsanwärtern. Heute wird in Bonn turnusgemäß Baden-Württembergs Schulministerin Annette Schavan (CDU) als neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) eingeführt.

Nach einer Umfrage der "Welt am Sonntag" wollen die 16 Länder in diesem Jahr 22 000 neue Lehrer einstellen. Dies wären allerdings deutlich weniger als im letzten Jahr, wo nach Angaben der KMK rund 29 000 Nachwuchslehrer erstmals ihre Arbeit aufnahmen, teilweise allerdings mit Teilzeit- oder Frist-Verträgen. Gesucht werden Lehrer mit den Fächern Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Musik, Kunst. Gute Einstellungschancen bestehen vor allem an den Berufsschulen, aber auch an Haupt- und Sonderschulen.

Einer Studie zufolge werden allein in den alten Ländern zwischen 2005 und 2010 rund 120 000 Stellen durch Pensionierungen frei, in den neuen Bundesländern 35 000. Vor allem für Berufsschulen, aber auch für Haupt- und Realschulen reichen die Absolventenzahlen der Lehramtsstudiengänge bald nicht mehr aus.

Der scheidende Präsident der KMK, Bremens Bildungssenator Willi Lemke (SPD), sagte der dpa, die Schulen in Deutschland benötigten "eindeutig mehr junge Lehrer". Zugleich müsse aber auch die Fortbildung der vorhandenen Pädagogen intensiviert werden. Dafür sollten auch die Unternehmen der Wirtschaft mehr Praktika und Fortbildungen anbieten. Die Pädagogen müssten "direkt vor Ort" erfahren, welche Anforderungen von der Wirtschaft an die Jugendlichen gestellt werden und nach welchen Kriterien beispielsweise ein Hauptschüler für die Besetzung einer Lehrstelle ausgesucht wird. Betriebe und Schulen müssten insgesamt enger zusammenarbeiten.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz Durner, forderte die Länder zum gemeinsamen Handeln gegen Unterrichtsausfall und Lehrermangel auf. Ansonsten sei ein "Bildungsnotstand" die Folge, schreibt Durner in einem Brief an die neue KMK-Präsidentin Schavan. Notwendig sei die Neueinstellung von Lehrern mit vollen Stellen und als Beamte sowie bessere Berufsperspektiven über längere Zeit.

Auch sollten die Länder sich nicht länger gegenseitig Lehrer während eines laufenden Schuljahres abwerben, verlangte Durner. Der Unterrichtsausfall werde dadurch noch größer. Ein solches Abkommen war beim letzten Treffen der Kultusminister am Widerstand Hessens gescheitert.

Der VBE-Vorsitzende Ludwig Eckinger warnte davor, den steigenden Lehrerbedarf jetzt zum Vorwand für Qualitätsabsenkungen bei der Ausbildung zu nehmen. Lehrerarbeit erfordere "fachwissenschaftliche wie auch pädagogisch-didaktische und soziologisch-psychologische Kompetenzen", sagte Eckinger. Die Länder müssten endlich eine ausgewogene Stellenplanpolitik betreiben. Das Hin und Her bei der Einstellung schrecke immer mehr junge Leute vom Pädagogik-Studium ab, warnte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange.

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