Gesundheit : Femtec GmbH: Mehr Frauen in Technik und Wirtschaft

Christoph Rasch

15 angehende Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen fahren ab sofort zweigleisig. Neben ihrem Studium an der Technischen Universität Berlin bilden sie sich in der Welt der Wirtschaft weiter. Die Femtec GmbH, 1999 von TU und der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) gegründet, geht an den Start.Das Hochschulkarrierezentrum für Frauen verfolgt das Ziel, mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern und angehenden Ingenieurinnen Karrierehilfe zu leisten.

In Workshops, Seminaren, Planspielen und in Praktika bei kooperierenden Firmen wie DaimlerChrysler oder Siemens wird wirtschaftliches Know-how vermittelt und vor allem Praxiserfahrung. Das Studium neben dem Studium ist auf zehn Semester angelegt. Es enthält auch Programme für Schülerinnen sowie öffentliche Ringvorlesungen.

Eine der ersten Femtec-Studentinnen ist Marion Mäusemann, Biotechnologie-Studentin aus Berlin. "Im Studium selbst gibt es wenig Möglichkeiten, sich wirtschaftlich weiterzubilden", sagt die 25-jährige Berlinerin. "Und um sich einen Überblick zu verschaffen, sind unkonventionelle Zusatz-Angebote wichtig." Die Studentin opfert dafür einen guten Teil ihrer Freizeit. Die Workshops, zwei pro Semester, finden abends und am Wochenende statt. "Leistungsbereitschaft ist ein Auswahlkriterium", sagt Marion Mäusemann, die zuvor wie ihre 14 Mitstreiterinnen einen Test durchlaufen musste, in dem Teamgeist und selbstsicheres Auftreten gefragt waren.

Das hat seinen Grund. "In der Wirtschaft fehlen den Frauen oft die Soft Skills", sagt Femtec-Mitbegründerin Barbara Schaeffer-Hegel. Frauen besetzen nur fünf bis zehn Prozent der Top-Positionen in der deutschen Wirtschaft. Die Grundlagen hierfür scheinen schon in der akademischen Ausbildung gelegt zu werden. Auch hier ist der Frauenanteil gering. In den naturwissenschaftlichen Fächern liegt er bei 34, in den ingenieurwissenschaftlichen sogar bei nur 19 Prozent. "Wir wollen nicht nur betriebswirtschaftliches Basiswissen vermitteln", sagt Barbara Schaeffer-Hegel, "sondern Innenansichten aus der Wirtschaft bieten, und das so praxisnah wie möglich."

Die Wirtschaft zieht gerne mit. Aus "knallhartem wirtschaftlichen Eigeninteresse", unterstreicht Heike Tyrtania von DaimlerChrysler. "Schließlich brauchen wir nicht nur mehr weibliche qualifizierte Ingenieure, sondern auch mehr weibliche Führungsqualitäten."

Das TU-intern umstrittene Projekt - für manche anrüchig, weil als GmbH gegründet - hat inzwischen einen wichtigen Fürsprecher: den Universitäts-Präsidenten Hans-Jürgen Ewers. "Die Hochschulen begreifen endlich, dass man Frauenförderung auf den unterschiedlichsten Ebenen praktizieren muss", sagt er. Und hofft auf einen Langzeiteffekt, der auf die Universität zurückwirkt: "Um Ingenieur-Lehrstühle mit Frauen zu besetzen, müssen diese zuvor in der Wirtschaft Karriere gemacht und Erfahrungen gesammelt haben."

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