Gesundheit : Filmhochschule "Konrad Wolf": Im Namensstreit bleibt Brandenburgs Wissenschaftsminister Hackel hart

Tom Heithoff

Namen sind Schall und Rauch. Mancher Name ist vor allem Rauch. Der Name Konrad Wolf ist offenbar ziemlich heißer Rauch, der in den Augen brennt. In wessen Augen? Man hört, es sei der Brandenburgische Wissenschafts- und Kulturminister Wolfgang Hackel (CDU), der der Potsdamer Filmhochschule den Namen entreißen wolle. Seit 1985 heißt sie "Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg "Konrad Wolf" (HFF). Um den Namen ist eine heftige Debatte am Institut entbrannt.

Ist Hackel wirklich der böse Namensfresser, der die Gunst der Stunde nutzen will, wenn die Hochschule im Spätsommer auf dem Studiogelände Babelsberg ihr neues Quartier bezieht? Der Minister stellte am Donnerstag in einer kurzfristig anberaumten Diskussion in der HFF gleich zu Beginn klar, dass es gar nicht sein Vorschlag gewesen sei, der Hochschule einen neuen Namen zu verpassen. Er sei erstaunt, dass er in diese Rolle gedrängt werde. Er habe lediglich gesagt, dass er sich vorstellen könne, über eine Umbenennung zu diskutieren. "Ich habe nie darauf bestanden, dass es einen anderen Namen geben muss", stellte Hackel klar.

Diskutieren - das ist etwas, das sich nicht nur Hackel vorstellen kann. Auch die Hochschule selbst hat darin Übung. Seit zwei Jahren wird über eine mögliche Namensänderung nachgedacht, aber diese Diskussion wurde, wie Hochschulpräsident Dieter Wiedemann in der vollbesetzten alten Mensa zugab, "nie konsequent zu Ende geführt". Alles in der Schwebe also. Und plötzlich diese Aufregung! Handelt es sich wieder einmal um ein aufbrechendes Ost-West-Problem? Der Name "Konrad Wolf" hatte zu DDR-Zeiten einen guten Klang. Der 1925 geborene Filmregisseur erhielt viele Preise und Auszeichnungen. Von 1965 bis zu seinem Tod im Jahre 1982 war er Präsident der ostdeutschen Akademie der Künste. Auch die nach ihm benannte Filmhochschule hatte sich einen Ruf erarbeitet, der in den Westen hineinstrahlte.

Wie wärs mit "Conny"?

Warum tut der Name plötzlich weh? Liegt es daran, dass Konrad Wolf 1974 mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet wurde? Oder dass er 1979 ein Referat hielt mit dem Titel "Wir Sozialisten sind mit jedem Atemzug, mit jedem Herzschlag Antifaschisten"? Dass er sogar 1981 zum Mitglied des Zentralkomitee der SED gewählt geworden ist? Liegt es vielleicht daran, dass Konrad Wolf der Bruder des DDR-Spionage-Chefs Markus Wolf gewesen ist? Hackel wehrt ab: "Dummes Zeug."

Hackel sagt, er habe prinzipiell etwas gegen Personen-Namen, die über Gebäuden stehen. Ganz gleich, ob es sich um eine Hochschule oder um das Rockefeller-Center handele. Der Name eines Hauses solle mit der "Materie" zu tun haben. "Personennamen hingegen haben für mich immer mit einem Schuss von Obrigkeitsdenken zu tun." Hackel hält "Potsdam-Babelsberg" für den idealen Namensteil. Mit dem verbinde man schließlich etwas. Babelsberg sei ein "Markenbegriff", ja ein "Synonym für den deutschen Film". Die Hochschule solle schließlich ausstrahlen in andere Länder. Man müsse die "Wirkung des Hochschulnamens" berücksichtigen. Es gehe um Kontakte und Wirtschaftsbeziehungen und so weiter. "Babelsberg" klinge doch besser als "Konrad Wolf" - spätestens da war klar, dass Hackel doch etwas mehr wollte als nur eine Diskussion.

Babelsberg klingt gut, meinte auch der Kanzler der Hochschule, Udo Funke. "Besonders auf die Kunsthochschulen kommt die Vermarktung zu." Und dies sei mit dem Namen "Konrad Wolf" nun einmal schwerer zu leisten. Eberhard Geick, einstiger Freund und Kameramann von Wolf, sieht das allerdings anders. "Ich kann mir keinen besseren Namen für die Hochschule vorstellen als den jetzigen", meinte er. Konrad Wolf sei nicht nur ein großer Regisseur gewesen, er habe "sich auch sehr für Studenten eingesetzt, deren Filme aus politischen Gründen nicht im Fernsehen gezeigt wurden". Ein Vorbild also auch für die heutigen Filmemacher.

Zum Ende der Debatte warf HFF-Vizepräsident Hans Hattop noch einen nachdenklichen Satz ein: "Das Bekanntheitsproblem ist durch Namen nicht zu lösen, sondern nur durch die Leistungen der Filmhochschule." Plötzlich glaubte man überall nickende Köpfe zu sehen. Ist der Name plötzlich allen egal? Nein, im Auditorium sind die Meinungen geteilt. Oder: man weiß einfach nicht, was man denken soll. Auch die Studierenden hätten, so Wiedemanns Einschätzung, keine klare Einstellung zum Namensstreit. Ein Zuhörer hatte immerhin eine Idee. Als der Schnitt-Student Dietmar Kraus vorschlug, man könne doch zwecks Vermarktung und Außenwirkung "Konrad Wolf" zu "Conny" (oder meinte er "Konny"?) modernisieren und dazu ein flottes Maskottchen stylen, nickte niemand. Das war den Anwesenden dann doch zu blöd.

Was nehmen wir mit? Erstens: Kein Leser braucht sich zu schämen, wenn er mit Konrad Wolf nichts verbinden kann. Wie zu erfahren war, zucken selbst viele der Filmstudenten mit den Achseln. Zweitens: Konrad Wolf ist ein bedeutender, manche meinen sogar "begnadeter" Regisseur. Sein Werk bedarf der gründlichen Aufarbeitung und Würdigung auch innerhalb der HFF. Drittens: Die Filmhochschule wird nach ihrem Umzug weiterhin "Konrad Wolf" heißen - oder auch nicht.

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