Gesundheit : Filter im Gehirn

Jürgen Bause

Das Verhalten heranwachsender Kinder kann Eltern ratlos machen. Oft handelt es sich dabei um pubertären Protest oder um die Wirren der ersten Liebe. Es gibt jedoch auch ernstere Gründe für Verhaltensänderungen, psychische Erkrankungen nämlich. Ein plötzlicher Leistungsknick in der Schule, Lustlosigkeit bis hin zur Unfähigkeit, den Alltag zu organisieren sowie Psychosen können Symptome von Schizophrenie sein, sagte Professor Hans-Jürgen Möller, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie an der Universität München kürzlich bei einer Tagung in Berlin. Motorische Auffälligkeiten und "Stimmen hören" treten demnach eher selten auf.

Der Begriff Schizophrenie wurde vor etwa hundert Jahren von einem Schweizer Psychiater eingeführt; er bedeutet Bewusstseinsspaltung. Die Erkrankung ist gar nicht so selten. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen, meist Jugendliche im Alter vom Teenageralter bis etwa Mitte des dritten Lebensjahrzehnts. Der Kranke hat Schwierigkeiten, Probleme zu lösen sowie zielgerichtet zu handeln. Eltern oder Freunde stufen die Auffälligkeiten anfangs oft als "typisch jugendliches Verhalten" ein.

Die Ursprünge der kognitiven Störungen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Lange Zeit glaubte man, die Krankheit werde vererbt, da sie auch familiär gehäuft auftritt. Später wurden oft gestörte Familienverhältnisse als Ursache betrachtet. Heute geht man davon aus, dass eine Vielzahl von Faktoren, möglicherweise auch virale Infektionen die Krankheit verursachen können. Auslöser sind oft belastende Ereignisse wie Todesfälle oder Prüfungen.

Die Symptome der Schizophrenie werden auf eine Störung des Gehirnstoffwechsels zurückgeführt. Die Diagnose erfolgt durch bildgebende Verfahren, wie PET (Positronenemissionstomografie) oder MRT (Magnetresonanztomografie). Der Betroffene absolviert im Scanner einige Denkarbeiten, dabei wird die Durchblutung des Gehirns gemessen. Bei schizophrenen Patienten ist der Frontallappen weniger durchblutet, der zudem oft ein geringeres Volumen aufweist. Zur Behandlung der Symptome gibt es eine breite Palette von Medikamenten, so genannte Neuroleptika.

Mediziner unterscheiden zwischen "typischen" und "atypischen" Neuroleptika. Bei ersteren können erhebliche Nebenwirkungen, vor allem Bewegungstörungen bis hin zu Zuckungen und Lähmungen auftreten. Bei der - so Möller - "breiter wirksamen neuen Generation" der atypischen Neuroleptika treten diese Störungen seltener auf. Zudem käme es weniger oft zu Rückfällen. "Notwendig ist allerdings eine langfristige medikamentöse Therapie", sagt Möller. Je früher die Krankheit erkannt und behandelt werde, umso besser könnten die Patienten vor schweren Spätfolgen und nicht selten dauerhafter Arbeitsunfähigkeit bewahrt werden.

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