Gesundheit : Firmenpräsentationen in Adlershof

Anne Strodtmann

In jedem Jahr gibt es bei den Berliner Chemikern ein Treffen von Wissenschaftlern mit der Industrie. Im Mittelpunkt stand diesmal der Wissenschaftspark Adlershof, wo etablierte Unternehmen neben Neugründungen arbeiten. Hier sollen in Zukunft auch die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität ihren Campus haben.

Zu den alten Unternehmen am Standort Adlershof zählt die Berlin Chemie, die 1890 gegründet wurde und unter dem Namen ihres Gründers Kahlbaum firmierte. Später fusionierte sie mit der Schering AG und wurde 1945 in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt, der 1956 den Namen VEB Berlin Chemie erhielt. Nach der Wiedervereinigung ging es erst einmal bergab: Die Produktion war rückläufig, der größte Teil der Belegschaft musste entlassen werden. Heute gehört die Berlin Chemie zur italienischen Menarini-Gruppe, einem ebenfalls traditionsreichen Unternehmen, das in Florenz beheimatet ist und an verschiedenen europäischen Standorten Zweigniederlassungen besitzt.

Unter dem Dach der Menarini-Gruppe erlebt die Berlin Chemie seit 1995 einen beachtlichen Aufschwung und konnte ihre Produktpalette erweitern. Daneben kann die Berlin Chemie auf eine leistungsfähige Forschungs- und Entwicklungsabteilung verweisen, die auch in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut werden soll. Ein Schwerpunkt der Forschung ist die Galenik, also der Teil der Arzneimittelforschung, in der aus den gefundenen Wirkstoffen marktfähige Produkte entwickelt werden. Das Unternehmen hat sich auf vier Gebiete konzentriert.

Die Cell-Lining GmbH ist erst vor drei Jahren von ehemaligen Mitarbeitern der Charité gegründet worden. Produktion, Forschung und Entwicklung gelten dem "Tissue engineering", also dem Züchten von körpereigenem Gewebe. So hat das kleine Unternehmen mit seinen sechs Mitarbeitern ein Perfusionssystem für Zellkulturen entwickelt, mit dessen Hilfe die Versorgung der Gewebezucht mit Nährstoffen automatisch gesteuert werden kann. Die Produktion von Zellkulturen dient der Zucht von Knorpelgewebe für die Pharmaindustrie, die es für die Arzneimittelforschung benötigt. Das Besondere an diesen Zellkulturen ist, dass es sich nicht einfach um eine Ansammlung mehr oder weniger unverbundener Gewebezellen handelt, sondern vielmehr um eine Gewebekultur, die wie lebendes Gewebe im Organismus reagiert. Auf diese Weise können Tierversuche in beträchtlichem Umfang vermieden werden.

Hilfe für Bypass-Patienten

Ein anderer Einsatz für die Gewebekulturen sind Bypass-Prothesen. Traditionell werden einzelne Venen des Patienten für einen Bypass an den Herzkranzgefäßen verwendet. Diese haben jedoch den Nachteil, dass sie im Gegensatz zu den Arterien nur über eine schwach ausgebildete Muskulatur verfügen. Es kann daher leicht zu Erweiterungen und Aussackungen an den Bypass-Venen kommen. Bei künstlichem Bypass-Material, das sich nicht verändert, muss man damit rechnen, dass das Immunsystem des Patienten die neue Ader als Fremdkörper erkennt und es zur Blutgerinnung kommt. Das kann dazu führen, dass das Ersatzgefäß binnen kurzem verstopft ist.

Die Cell-Lining hat eine Möglichkeit gefunden, die künstlichen Blutgefäße innen mit körpereigenem Zellmaterial auszukleiden, das vom Immunsystem nicht mehr als fremd erkannt wird, weil die Zellen sich wie intaktes Körpergewebe verhalten. Die Entwicklung ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Gefäß-Prothesen im Tierversuch getestet werden können. Etwa im Jahre 2002 könnte das Produkt auf den Markt kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben