Gesundheit : Fisch fressende Fledermäuse

Roland Knauer

Selbst kleine Fische fallen der Wasserfledermaus manchmal zum Opfer, wenn sie über eine Wasseroberfläche schießt. Zumindest erbeuten die gerade einmal zwölf Gramm schweren Tiere zwei Zentimeter lange Moderlieschen, die der Zoologe Björn Siemers von der Universität Tübingen ihnen in seinem Labor anbietet. Schon vor einigen Jahren hatten französische Wissenschaftler eine Wasserfledermaus erwischt, in deren Magen sich Fischschuppen fanden. Auf frischer Tat aber hatte die fliegenden Säugetiere bisher niemand bei der Fischjagd ertappt.

In Lateinamerika hat sich die Große Hasenmaulfledermaus dagegen sogar auf Fisch als Leibgericht spezialisiert. Für die Wasserfledermaus in Deutschland sind die Schuppenträger jedoch eine eher seltene Beute, ist sich Björn Siemers sicher. "Streckt ein kleiner Fisch seinen Kopf aus dem Wasser oder treibt gar leblos an der Wasseroberfläche, passt er eben genau in das Beuteschema der Wasserfledermaus," schließt der Zoologe aus seinen Experimenten.

Zwar können die Tiere Objekte mit Hilfe der Echos zuvor ausgestoßener Ultraschallrufe relativ genau orten. Einzelheiten einer möglichen Beute aber sehen sie nicht, weil die Echoortung Details einfach nicht auflösen kann. Die Wasserfledermaus sucht daher einfach nach kleinen Objekten, die ihre Ultraschallrufe reflektieren. Ob sie eine Zuckmücke, einen Wasserläufer, einen Fisch oder Pappelsamen geortet hat, erfährt die Wasserfledermaus aber erst, wenn sie zubeißt. Fische nimmt sie da gern mit, obwohl Zuckmücken ihre wichtigste Beute sind.

Besonders gern jagen Fledermäuse über glatten Wasserflächen, die Björn Siemers im Labor mit einem Linoleum-Fußboden imitiert. Schickt die Fledermaus ihren Ortungsruf schräg nach vorn und unten auf die Oberfläche, spiegelt diese das Echo von der Fledermaus weg nach vorne und schräg nach oben. Kommt ein Echo zur Fledermaus zurück, stammt es sehr wahrscheinlich von einer möglichen Beute.

Ganz anders dagegen die Situation über einem mit Pflanzen bewachsenen See oder über einem genoppten Fußboden im Labor. Dort verursachen Pflanzen oder Noppen störende Echos, und die Fangquote der Fledermäuse sinkt deutlich, berichten Siemers und seine Kollegen.

Solche störenden Echos gibt es natürlich auch aus dem Laubwerk, in dessen Nähe zum Beispiel Fransenfledermäuse jagen. Diese helfen sich mit Ortungsrufen über eine große Bandbreite von Frequenzen, die eine bessere Detailauflösung ermöglichen. Um ihren Jagderfolg zu verbessern, lauschen solche Fledermäuse auch auf den Flügelschlag ihrer Beute und auf das kleinste Rascheln im Laub, um fliegende Insekten oder Spinnen zu erwischen.

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