Fitness-Serie : Nochmal mit Schwung

Andreas Bernutz, Personal-Trainer aus Weißensee, findet: Sport ist Leben. Er hilft, sich durchzuboxen. Seine Kunden schätzen sein Fachwissen und seine Erfahrung aus dem Leistungssport.

Stephanie Puls
Bernutz
Training ohne Haken. Boxen ist seine Leidenschaft. Andreas Bernutz arbeitet aber auch auf die sanfte Tour. -Foto: Mike Wolff

Er glaubt, es gibt sie, jene perfekten Momente im Leben eines Sportlers, für die sich jede Quälerei, jede Anstrengung lohnt. „Wenn jeder Muskel im Körper und jeder Atemzug der Lungen spürbarer ist als je zuvor.“ Er sagt, er habe davon profitiert. „Mich hat der Sport gelehrt, Schmerzen zu widerstehen, aber auch Freude, Glück und Zufriedenheit zu erkennen.“ Scheint, als sei Andreas Bernutz, 37, aus Weißensee der Kopfmensch unter den Personal-Trainern. Sein Spezialgebiet ist ganz schön handfest: Boxen. „Das ist der Sport, der dem Leben am nächsten kommt.“ Es gab eine Zeit, da hat er ihn gehasst. Und es gab die Zeit, als er zum Sport zurückfand.

Mit neun Jahren wird der Junge aus der DDR für den Leistungssport entdeckt. Er wechselt auf die Schule des TSC Berlin, in der die Boxelite des Ostens trainiert wird. Freizeit gibt es nicht. Der Tag beginnt mit 30 Minuten Laufen. Ein Glas Milch und eine Scheibe Brot mit Honig zum Frühstück müssen reichen, Mittagessen fällt häufig aus. Der 42-Kilo-Athlet kämpft in einer unteren Gewichtsklasse, schindet sich mit Klimmzügen, Hochstrecksprüngen, Liegestützen und Seilspringen. Ausgehungert tritt er ein Turnier an – und verliert. Doch er macht weiter. 55 Mal steigt er in den Ring. „Da kann man versuchen davonzulaufen, verstecken kann man sich nicht.“ Boxen, sagt Bernutz, sei auch ein Kampf gegen das Spiegelbild, die Ängste. Boxen lehre, mit Schwächen umzugehen und sich durchzusetzen.

Womit Andreas Bernutz damals nicht zurechtkommt, ist die Schinderei, der Leistungsdruck. Als er merkt, dass die Gegner aus den kleineren Vereinen häufig besser sind als die der Eliteschulen, verlässt er enttäuscht seine Trainingsstätte. Die Freude am Sport hat er verloren. Nach einer Ausbildung zum Tischler steht er am Fließband. Er macht die Nacht zum Tag, raucht, feiert, trinkt. Irgendwann verliert er seinen Job, feiert und trinkt noch mehr. „Die Einberufung zur Bundeswehr hat mich gerettet“, sagt er. Dort findet er wieder Spaß an der Bewegung. Als er ein Jahr als Rettungssanitäter in Turin arbeitet und nebenbei seine Freunde trainiert, kommt ihm der Gedanke, Sport zu seinem Beruf zu machen. 1998, bei seiner Rückkehr nach Berlin, sprießen überall Fitnessstudios aus dem Boden. Er nutzt den Boom und wird Personal-Trainer.

Seine Kunden schätzen sein Fachwissen und seine Erfahrung aus dem Leistungssport – obwohl die Trainingsmethoden aus dem Boxen heute gerade noch 30 Prozent ausmachen. Das Grundprinzip bleibt: „Bewegung ist Leben. Man kann sich auch regelrecht zu Tode schonen.“ Bei seiner treuesten Kundin ist diese Philosophie angekommen. Sie trainiert seit fünf Jahren bei ihm. Gerade hat sie ihr zweites Kind bekommen, drei Wochen nach der Entbindung war sie wieder da.

„Sport zeigt, dass man etwas tun muss, um glücklich zu sein“, sagt Andreas Bernutz. Das versucht er auch seinen Kunden zu vermitteln. Sein höchstes Ziel als Trainer: „Etwas Besonderes, Unvergessliches zu erfahren.“ Einen jener seltenen perfekten Momente, für die sich jede Anstrengung gelohnt hat.

WORKSHOP
Effektives Ausdauertraining für den ganzen Körper können Sie bei Andreas Bernutz lernen. Melden Sie sich unter 0171-8301434 für einen von zwei Workshops an: Samstag, 19. April, 11 Uhr (Gymnastik- und Tanzstudio Vivace, Nollendorfstr. 11, Wilmersdorf) oder 26. April, 14 Uhr (Elixia, Am Borsigturm 2, Tegel). Dauer: 90 Minuten, je max. 15 Personen. Sonderpreis: 5 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben