Gesundheit : Fixes Gehör

Geschädigte Sinneszellen haben sich nach zwei Tagen erholt

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Es sind Haare, die uns hören lassen. Mikroskopisch klein, sitzen sie auf den Haarzellen, den Sinneszellen des Innenohrs. Streicht eine Schallwelle über sie hinweg, wiegen sie sich wie Gräser in einer Sommerbrise – und lösen einen elektrischen Impuls aus, der in Windeseile das Gehirn erreicht. Jetzt haben amerikanische Zellforscher festgestellt, dass die Haarbüschel erstaunlich schnell nachwachsen: ganze zwei Tage brauchen sie, um sich komplett zu erneuern.

Das schnelle Nachwachsen des „Hörhaars“ ist ein Indiz dafür, wie hervorragend das Gehör sich regenerieren kann. Es könnte sogar sein, dass die Wissenschaftler eine Erklärung dafür gefunden haben, warum ein Knalltrauma das Gehör für etwa zwei Tage außer Gefecht setzt. Denn das wäre etwa die Zeit, die es braucht, um die Sinneshärchen im Innenohr wieder aufzustellen.

Die Forscher von den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA benutzten für ihre Arbeit Haarzellen aus neugeborenen Ratten. Wie sie im Fachblatt „Nature“ berichten, wurde den Zellen die Erbanlage für Actin gespritzt. Actin ist ein wichtiger Gerüstbaustoff der Zelle und Bestandteil des „Zellskeletts“. Auch die wissenschftlich Stereozilien genannten „Haare“ auf den Sinneszellen des Gehörs bestehen im wesentlichen aus dicht gepackten Actin-Bündeln.

Die Forscher koppelten das Actin-Gen an das Gen für ein fluoreszierendes Eiweiß. Dadurch war es ihnen möglich, eine Art Leuchtspur des Actins in der Sinneszelle zu verfolgen. Die Erneuerung des Actins erfolgt ihren Messungen zufolge 50 Mal schneller als bisher gedacht.

Im Innenohr des Menschen, der spiralförmigen knöchernen „Schnecke“, tun etwa 15 000 Haarzellen Dienst, und sie sind unentwegt im Einsatz. Am wichtigsten sind die „inneren“ Haarzellen: 3500 an der Zahl, steuern sie 90 Prozent zu unserer akustischen Wahrnehmung bei. Der Schall wird über die Gehörknöchelchen des Mittelohrs auf die mit Flüssigkeit gefüllte Schnecke übertragen und führt hier zu Impulsen auf den Gehörnerv. Hohe Töne reizen Haarzellen am Eingang, tiefe ganz an der Spitze des Schneckengehäuses. Hartmut Wewetzer

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