Gesundheit : Fliegen wie die Alten

Die letzte Trägerrakete „Ariane-4“ soll heute abheben – doch die Nachfolgerin ist noch flügellahm

Joachim Mahrholdt

Nach 15 Jahren geht eine Epoche zu Ende. In Kourou startet zum letzten Mal eine „Ariane-4“-Rakete ins All. Dieser Flug mit der Nummer 159, für den Mittwoch geplant und wegen des schlechten Wetters auf den heutigen Donnerstag verschoben, setzt den Schlusspunkt hinter eine Erfolgsgeschichte, die Europa technologisch und wissenschaftlich mitgeformt hat. Die Betreiberfirma Arianespace bietet künftig nur noch das Nachfolgemodell „Ariane-5“ als Träger an, aber diese Serie bleibt nach der Explosion der neuen Version im Dezember vorerst am Boden.

Bei den unbemannten Trägersystemen ist die Konkurrenz groß: Russland und die USA bieten heute eine große Auswahl an Raketen, um Nutzlasten in den Orbit zu transportieren. Europas Spitzenposition in diesem Bereich ist gefährdet wie nie zuvor.

Alles hatte begonnen mit einer Revolte gegen die USA, die es in den sechziger Jahren ablehnten, europäische kommerzielle Satelliten zu befördern. Man hätte das Raumfahrt-Monopol in der westlichen Welt gern für sich behalten, denn mit solchen Starts lässt sich Geld verdienen. Also blieb den Europäern nichts anderes übrig, als sich ihre eigenen Trägerkapazitäten zu schaffen. Dabei spielte Frankreich die führende Rolle.

Von 1964 an wurde in der ehemaligen Kolonie Französisch-Guyana ein Weltraumbahnhof errichtet, dessen Lage in Äquatornähe ideal ist. Als am Heiligabend 1979 die erste Trägerrakete mit dem Namen Ariane in Kourou abhob, war dies die Antwort der alten Welt auf einen Interessenkonflikt zwischen politisch Verbündeten.

Aus der Notlösung wurde ein international wirtschaftlicher Erfolg. Denn die Amerikaner begingen den Fehler, sich auf das Space Shuttle zu konzentrieren und auf eine eigene Raketenproduktion zu verzichten. Der Markt für kommerzielle Satelliten boomte in den 80er und 90er Jahren, und die „Ariane“-Träger zeichneten sich durch hohe Zuverlässigkeit aus. Die inzwischen gegründete Betreibergesellschaft Arianespace, an der vor allem Frankreich und Deutschland beteiligt sind, schrieb schwarze Zahlen.

Zwischen der „Ariane-1“, die 1,8 Tonnen Nutzlast in einen geostationären Orbit in 36 000 Kilometer Höhe beförderte, und der „Ariane-4“, die bis zu 4,9 Tonnen hochschießt, besteht eine enge Verwandtschaft. Sie sind alle dreistufig. Die kraftvolleren Versionen beziehen ein Großteil ihres Schubs aus Zusatzraketen (Boostern), die sich um den Rumpf gruppieren. Die Vielzahl der Ausführungen entsprach genau den Erfordernissen des Marktes; selbst Doppelstarts mit zwei Satelliten in der Spitze waren möglich.

Die nun startende letzte „Ariane-4“ ist die stärkste Version 44L. Sie bringt den Satelliten Intelsat 907 in den Orbit. „Aber weil die Rakete bis zu zehn Motoren haben kann, ist die ,Ariane-4’ auch eine teure Angelegenheit“, rechtfertigt Claude Sanchez von Arianespace in Paris das Aus für die Erfolgsserie. Trotz des Desasters mit der stärksten Version des Nachfolgemodells „Ariane-5“, die im Dezember kurz nach dem Start gesprengt werden musste, sei man nach wie vor zufrieden mit dieser Entscheidung.

Man setzt nun voll auf die „Ariane-5“, deren Standard-Ausführung sieben Tonnen und deren neueste – bislang erfolglose – Variante mit 180 000 PS Schub zehn Tonnen ins All befördern kann. Diese stärkste Trägerrakete auf dem internationalen Markt ist einfacher konstruiert als ihre Vorgängerin. Mit der „Ariane-5“ werden Satelliten normalerweise im Doppelpack geschossen. Seit den achtziger Jahren hat sich nämlich das Durchschnittsgewicht von wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzlasten auf fünf Tonnen verdoppelt. Bei den meisten der heutigen Satelliten müsste die „Ariane-4“ also passen.

Der Boom der vergangenen Jahrzehnte im Satellitengeschäft hat sich aber spürbar abgekühlt. Und international gibt es mittlerweile Überkapazitäten bei den Trägersystemen, was auf die Preise drückt. Für die erfolgsgewohnte Arianespace wird es in den nächsten Jahren spürbar enger.

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