Gesundheit : Flügel für Europas Unis

15 Hochschulen wollen mobilen Studenten das Leben erleichtern

Uwe Schlicht

Der europäische Hochschulraum, den die Bildungsminister aus jetzt 40 europäischen Ländern im Jahre 2010 vollendet haben wollen, mag ein schönes Ziel sein. Doch bis dahin wollen 15 europäische Universitäten nicht warten, die zur „European University Foundation“ gehören. Sie haben ein Programm ins Leben gerufen, das den großen „Bologna-Prozess“ eines europäischen Hochschulraums von unten beflügeln will: Wer hier studiert, soll überall so studieren können, dass es an der Heimatuniversität – so sie dem Netzwerk angehört – keinerlei Anerkennungsprobleme mit Studienleistungen gibt.

Das Programm nennt sich „Concept Campus Europae“ und steht unter dem Patronat des luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker und  seiner Wissenschaftsministerin Erna Hennicot-Schoepges. Die Partnerhochschulen gehören zu elf Ländern von Weißrussland, Litauen, Estland und Lettland über Serbien, Spanien, Portugal, Frankreich, Irland, Italien, Deutschland und Österreich bis nach Luxemburg. In Deutschland beteiligen sich die Universitäten Hamburg und Greifswald an dem Netzwerk. Finanziell wird das Studentenaustauschprogramm von der Allianz-Kulturstiftung und der Volkswagen-Stiftung unterstützt. Es geht auf eine Anregung von Altkanzler Helmut Kohl zurück und erhielt bis 2001 Gelder von der Quandt-Stiftung.

Die teilnehmenden Universitäten haben sich verpflichtet, ihren Studenten während des dreijährigen Bachelorstudiums einen einjährigen Aufenthalt an einer Partneruniversität zu ermöglichen. Damit die europäische Sprachenvielfalt erhalten bleibt, bekommen die Studenten schon an der entsendenden Heimatuniversität Sprachkurse der Gastuniversität geboten und werden vor dem Studienbeginn in den Semesterferien für sechs bis acht Wochen für einen Schnupperaufenthalt an die Gastuniversität geschickt. Im zweiten Studienjahr bekommen sie dann einen Block von Lehrveranstaltungen, vorwiegend in englischer Sprache, angeboten, dessen Inhalte mit der Heimatuniversität abgestimmt sind. Diese Lehrveranstaltungen werden schon heute ohne Schwierigkeiten von den jeweiligen Partneruniversitäten für die benötigten Bachelorpunkte anerkannt. Außer dem Blockangebot muss sich der deutsche Student jedoch auf Lehrveranstaltungen in der jeweiligen Landessprache gefasst machen. Nimmt er auch diese Hürde, so erhält er zusätzliche Leistungspunkte.

Die Stiftung wird demnächst ihren Sitz von der deutschen Stadt Witten nach Luxemburg verlagern: Wenn alle Versuche, Studienabschnitte aus dem Ausland anerkennen zu lassen, am kleinteiligen Denken der Hochschulen scheitern, will die European University Foundation mit einem „European Degree“ einspringen. Die rechtlichen Voraussetzungen dazu hat die Regierung von Luxemburg geschaffen.

Bis zum Jahre 2006 will die Europäische Union der „Foundation“ auch die Mittel zur Verfügung stellen, damit jeder Auslandsstudent über 700 Euro monatlich verfügen kann. Denn in vielen Fällen reichen Stipendienprogramme wie Erasmus oder nationale Gelder für ein Auslandsstudium nicht aus. Das Netzwerk steht weiteren Partnern offen. Ziel ist es, pro Jahr einmal 100 000 Studenten auf die Reise durch Europas Universitäten zu schicken.

Mehr zum Thema im Internet:

www.campus.europae .org

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