Gesundheit : Flüssige Fernsehbilder

Im Wettbewerb um den Zukunftspreis des Bundespräsidenten konkurrieren bereits erfolgreiche Entwicklungen

Gideon Heimann

Am 13. November verleiht Bundespräsident Johannes Rau im Deutschen Technikmuseum in Berlin den Deutschen Zukunftspreis 2003. Doch schon jetzt war es wieder spannend. Denn wie in jedem Spätsommer seit Einführung des Preises im Jahr 1997 hatte die Auswahlkommission eine Vielzahl von Vorschlägen zu sichten und vier Arbeiten in die engere Prüfung zu nehmen. Insofern ist es schon eine Auszeichnung, von der Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft in diese Runde gewählt worden zu sein.

In diesem Jahr wurden 27 Vorschläge von Wirtschaftsverbänden und Wissenschaftsorganisationen eingereicht – deutlich weniger als im vergangenen Jahr. Man habe die Zahl bewusst begrenzt und die Vorauswahl damit stärker den Vorschlagsberechtigten überlassen, hieß es am gestrigen Dienstag bei der Präsentation der Nominierten. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist die Auswahl diesmal stärker am Verbraucher orientiert. Es sind Produkte und Verfahren, die bereits angewendet werden, und zwar weltweit.

Schnelle Flachbildschirme

So zeigt die Arbeitsgruppe um Kazuaki Tarumi, Abteilungsleiter der Flüssigkristallforschung bei Merck in Darmstadt, dass selbst in einem elektronischen Gerät wie einem Fernsehapparat viel Chemie steckt. Seine Gruppe hat nämlich einen neuen Werkstoff für die Flüssigkristalltechnik entwickelt, der die bisherigen Qualitäten des Materials entscheidend verbessert. So kann man nun Fernseher auch in beeindruckender Größe flach an die Wand bringen.

Der neue Flüssigkristall ist aus 400 Komponenten zusammengestellt, er ermöglicht schnellste Schaltzeiten und einen hohen Kontrast. Beides sind Grundvoraussetzungen dafür, die herkömmliche und Platz fressende Elektronenröhre aus dem Fernsehgerät zu verbannen. Mit diesem Produkt ist Merck bislang konkurrenzlos auf dem Markt, berichtet der gebürtige Japaner, der seit 1978 in Deutschland lebt.

Schlauer Ausstellungsführer

Ebenfalls weltweit bereits eingesetzt wird der Ausstellungsführer „Guideport“ des Audiogeräte-Herstellers Sennheiser im niedersächsischen Wedemark. Rolf Meyer, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, kam während der Vorbereitung auf die Expo 2000 in Hannover auf diese Idee – indem er sich die typische „Besucherfamilie“ vorstellte. „Jeder will andere Informationen und keiner hat eine Hand frei für Lesestoff“, sagt Meyer. Also erfand er mit seinen Mitarbeitern eine Technik, die die Informationen in sechs Sprachen akustisch darbieten kann und dabei auch mitdenkt.

Über eine Funkzentrale werden kleine Speichergeräte mit Infotexten gefüttert – und zwar abhängig vom Ort und der Verweilzeit des Betrachters. Er kann von Bild zu Bild gehen und bekommt dann die jeweils passenden Ansagen dazu auf den Kopfhörer geschickt.

Sichere Autos

Autos für die Passagiere sicherer zu machen, das war die Aufgabe, die von Rodolfo Schöneburg und seinen Kollegen bei Daimler Chrysler gelöst worden ist. „Pre-safe“ nennt sich das System, mit dem seit vergangenen Herbst die Mercedes-S-Klasse ausgestattet wird. Das Ziel ist dabei, die Passagiere schon zu schützen, noch bevor es knallen könnte.

Die Technik ist mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) und dem Bremsassistenten gekoppelt, sie „merkt“ also, wenn das Fahrzeug schleudert oder stark abgebremst wird. Dann schließt sich das Schiebedach, die Gurte straffen sich und die Sitzlehne geht in aufrechte Position. Kommt es nicht zu einer Kollision, „entspannt“ sich alles wieder so, als wär’ nichts geschehen.

Sanfter Zellenhalter

Wer Körperzellen zum Beispiel unter dem Mikroskop untersuchen oder verändern will, hat ein Problem: Die kleinen Bestandteile unseres Körpers „fremdeln“ schnell, sie reagieren stark auf Berührung aller Art. Und damit sind sie verdorben für ein erneutes Leben „drin“. Das aber ist das Ziel der Medizinforscher: Zellen könnten eines Tages nach entsprechender Behandlung „draußen“ in ihren ursprünglichen Körper zurückgeschleust werden.

Die Forscher um Günter Fuhr vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik im saarländischen Sankt Ingbert entwickelten, wenn man so will, die gute alte Petrischale weiter: Es entstand ein elektronischer Chip, der die Zelle in ihrer Nährlösung mit Hilfe ganz schwacher Radiowellen im Megahertzbereich in Schwebe hält. „Stellen Sie sich eine Technik vor, die einen Mückenschwarm sehr schnell umkreist und die Tiere dabei beständig anpustet“, erklärt Fuhr das Verfahren. Den Zellen schadet’s nicht, sie halten es so etwa einen Tag auf dem Chip aus, danach müssen sie in den Tiefstkühlschrank, oder eben in den Körper zurück.

Der Deutsche Zukunftspreis – der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation – wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft finanziert. Der Gewinner erhält 250 000 Euro. Die Auszeichnung soll in einem nationalen Leistungsvergleich hervorragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Innovationen hervorheben, der Öffentlichkeit die in Deutschland vorhandenen wissenschaftlichen und technischen Potenziale zeigen, ein technik- und innovationsfreundliches Klima schaffen.

Ausgezeichnet wird eine Leistung von Einzelpersonen oder auch von Gruppen, die gute Aussichten hat, tatsächlich in die Produktion zu gelangen. Sie sollte daher patentfähig oder gerade in die Anwendung gekommen sein.

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