Gesundheit : Flugzeuge könnten Störsignale durch Fernsehkabel erhalten - Gefahrenpotenzial unklar

Andreas Unger

Nicht nur Handys im Flugzeug sind gefährlich. Das Bundesverkehrsministerium, das für die Flugsicherheit zuständig ist, hat festgestellt, daß mehrere Kabelkanäle Störsignale aussenden, welche die Flugsicherheit beeinträchtigen könnten. Deshalb müssen vielleicht bis zu vier Kabelkanäle für den Rundfunk gesperrt werden. Die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg, der Verband Privater Rundfunk- und Telekommunikation (VPRT) und die Bundesministerien für Verkehr und Wirtschaft suchen nun zusammen mit den privaten Fernsehanstalten nach Lösungsmöglichkeiten.

Der Grund des Problems: Mehrere Kabel-Frequenzen werden sowohl von Feuerwehr, Polizei und Flugverkehr als auch von den Fernsehsendern genutzt. Dadurch kann es zu Funktionsstörungen kommen. Der schlimmste Fall laut Bernd-Uwe Hense, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Rundfunkversorgung: "Das Flugzeug fällt runter. Die Rettungsmannschaften können sich nicht verständigen. Dass eine gewisse Gefahr besteht, ist nicht von der Hand zu weisen." Das Problem stelle sich zwar bundesweit, besonders aber in Berlin mit seinen drei Flughäfen. Von den 31 Kanälen, die zur Zeit verfügbar sind, müssen daher vielleicht vier geschlossen werden. Die betroffenen Kanäle zwei und drei sind derzeit nicht vergeben, Kanal 24 teilen sich der Werbesender HOT und tm3. Auf Kanal 25 sendet Super RTL.

Markus Schäfer, Medientechnologie-Leiter des VPRT, hält das Thema für weniger brisant und spricht nur von einer "potenziell möglichen Gefahr". Man suche derzeit nach Wegen, das Problem zu lösen, ohne Kanäle zu schließen. Zur Zeit wird geprüft, ob die überschrittenen Abstrahlungs-Grenzwerte für Bauteile, die in Kabelanlagen integriert sind, zu niedrig festgesetzt sind. Außerdem will man feststellen, ob es genügen würde, den Flughafenbereich und die Einflugschneisen abzusichern. Aber: "Wir kriegen die Netze nicht absolut dicht". Solange sie unterirdisch verlaufen, sind sie gut abgeschirmt. Sobald sie aber über der Erde sind, senden sie Störsignale aus. Gefahrenquellen sind vor allem der Weg von der Anschlussbuchse zum Fernseher und die Empfangsgeräte.

Pro 7-Sprecher Torsten Rossmann wiegelt ab: "Eine Schließung halte ich für nicht realistisch." Für den Nachrichtensender N 24, der am 24. Januar 2000 an den Start gehen soll, sieht er keine Gefahr. Die Landesmedienanstalten müßten bei der Vergabe auch schon bestehende Sender miteinbeziehen. "Die müssen wir eben verdrängen."

Bei Super RTL hat man schon berechnet, wie groß der Reichweitenverlust wäre, wenn der Sender aus dem Berliner Kabel aussteigen müsste: Laut Sprecher Bernd Seitz zwischen acht und 18 Prozentpunkte der "mühsam erkämpften" Reichweite. Er hält die Sicherheitsbedenken für verständlich, weist aber darauf hin, dass es noch keinen Beweis für eine konkrete Gefahr gebe. Er hofft, einen anderen Kanal zu bekommen. Da deren Zahl aber sehr begrenzt ist, will Super RTL im Notfall auf Bestandsschutz klagen.

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