Gesundheit : Forschen im Luxus

Amory Burchard

Wenn Dieter Grimm, der Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin, seinen Arbeitsplatz erklärt, hört er oft: „Was für ein Luxus!“ Etwa 40 Wissenschaftler werden für ein akademisches Jahr nach Berlin eingeladen. Sie leben und arbeiten in einer Grunewaldvilla – an selbst gewählten Themen. Die neuen Fellows, die Grimm am Freitagabend vorstellte, bringen schillernde Projekte mit: Aufklärerische wie das zu den sexuellen Konflikten der Bienen, Ameisen und Wespen, die der Biologe Boris Baer von der Universität Kopenhagen erforscht. Oder poetische, wie der Versroman „Die Sonntage des amerikanischen Mädchens“, den der schwedische Schriftsteller und Philosoph Lars Gustafsson schreiben will. Viele Fellows bringen die ganze Familie mit. Für alle wird gesorgt. Und das verpflichtend gemeinsame Mittagessen sei so gut, dass man dafür gerne den Arbeitsfluss unterbreche, sagt ein junger Forscher am Begrüßungsabend.

„Funktionsbedingter Luxus“, kontert Rektor Grimm, wenn womöglich leiser Neid bei den an Massenunis darbenden Kollegen aufkommt. Denn von den Fellows wird viel erwartet: „wesentliche Erkenntnisfortschritte“ in ihrem Fachgebiet. 52 Wissenschaftler sind in diesem Jahr gekommen. In einer Gruppe um den Mediziner Hajo Grundmann, der auch Sozialanthropologen, Historiker und Biologen angehören, soll eine „Epidemiologie von Infektionskrankheiten“ entstehen. Neu ist auch eine Gruppe, in der Kunsthistoriker, Philosophen, Neuroforscher und Physiker über mediale Bildwelten nachdenken.

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